Review: Perico – eine Frau, Sonne, Geld und ein Schuss in den Bauch!

(Copyright: Schreiber & Leser)
Donnerstag Nachmittag, die Arbeit ging heut etwas zeitiger voran, ein paar Sonnenstrahlen lassen sich ebenfalls blicken. Die perfekte Gelegenheit um seinen Nachmittag in einem fulminanten Noir-Thriller zu vergraben. Na ja, um ehrlich zu sein, kam ich bereits gestern in den Genuss des Lesens, jedoch kamen mir zum Abend die letzten drei Folgen „Better Call Saul“ in die Quere, weshalb ich erst jetzt zum Schreiben komme.
Sei’s drum, auf diese Review habe ich mich gefreut, denn „Perico“ ist mein erster Kontakt mit dem Werk der beiden Franzosen Régis Hautière und Philippe Berthet. Hautière ist in der deutschsprachigen Comicszene leider noch nicht so einen großen Namen, wie in seinem Heimatland. Neben Aquablue – New Era“ (Splitter) oder „Über den Wolken“ (Salleck) sind hier eher wenige seiner Arbeiten erschienen, obwohl er mittlerweile eine beeindruckende Bibliografie im Rücken hat. Ähnlich sieht es bei Berthet aus.
Der Schreiber & Leser Verlag hat sich nun ihrem gemeinsamen Werk „Perico“ angenommen und publiziert die Graphic Novel als Teil der „S&L Noir“ Sparte.

Kuba, im Sommer 1958. Joaquin ist ein banaler Junge, aus armen Verhältnissen, der sich und seinen verkrüppelten Vater mit einem bescheidenen Job als Dienstbote gerade so über Wasser halten kann. Sein Bruder „Carlos“ hat sich Castros Rebellen angeschlossen und ist auf dem Vormasch gegen Batista. Im Sommer ’58, also knapp 6 Monate vor der Flucht ins Exil des kubanischen Diktators.
Die Dame an der Seite eines wichtigen Gastes des Hotels, in dem Joaquin arbeitet, ist Livia, eine betörende Nachtclub-Sängerin, die offenbar nicht ganz freiwillig in dieser Begleitung reist.
Durch rasant entstandene Umstände kommen Joaquin und Livia in den Besitz eines randvoll gefüllten Geldkoffers und ergreifen die Flucht. Die Flucht aus Havanna, die Flucht in die Staaten. Nur leider ist der Eigentümer des Geldkoffers darüber alles andere als begeistert und schickt seine besten Männer wie Bluthunde hinterher. Und so entbrennt ein erbarmungsloser Road Trip durch die U.S.A. der späten 50er Jahre.

Hautière und Berthet erzählen mit „Perico“ einen klassischen Noir-Thriller, in einem historisch ausgefütterten Korsett. Der Eigentümer des Geldkoffers und „Besitzer“ von Livia ist kein geringerer als Santo Trafficante, Jr., der zu Lebzeiten beim organisierten Verbrechen von Florida bis Kuba eine mehr als wichtige Rolle spielte. Batista ist zu sehen und selbst Jimmy Hoffa hat einen kurzen Auftritt. Das alles bildet jedoch nur den Rahmen für die beiden Protagonisten, wobei Hautière überraschend viel Raum für die Beziehung der beiden lässt, in welcher sich vor allem Joaquin extrem zu entwickeln weiß. Livia, als bezirzende Femme fatale, überzeugt jedoch nicht weniger.
Berthet zeichnet in subtilen aber sehr eindringlichen Bildern, wobei besonders die Farben des Belgiers Dominique David ein wunderbar nostalgisches Flair von verbrannter Nachmittagssonne transportieren und den Charme der 50er förmlich zu bündeln scheinen. Ganz tolle Arbeit!

„Perico“ ist ein gekonnt erzählter Thriller, mit einer immer mehr Fahrt aufnehmenden Story und einem wunderbar auf den Punkt gebrachten Finale. Freunde des klassischen Mafia-Crime-Noir, der kubanischer Geschichte oder Leute, die das Flair des zweiten Paten lieben, dürfen hier bedenkenlos zugreifen. Ein exzellenter Comic-Thriller und für mich ein kleines Highlight im wirren Veröffentlichungsdickicht.

Eine Leseprobe gibt es hier.

Bewertung:

 

Verlag: Schreiber & Leser

Format: Hardcover
Vö-Datum: 01.03.2015
Seitenzahl: 128
Sprache: Deutsch

Preis: 24,80 €

Darf gern geteilt werden! 🙂

„Only nothing is impossible.“ – Grant Morrison

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Emanuel Brauer
Gast

Hallo Ken,

vielen Dank. Freut mich, dass die Review was bewirkt hat! 🙂

Die Farben und die Stimmung gefielen mir auch besonders. Ein toller Comic. Ich hoffe der S&L Verlag hat damit Erfolg. Wäre schade, würde der Comic in der Masse untergehen.

Ken Falco
Gast

Schöner Comic mit toller Farbgebung. Als Liebhaber von Noir Elementen hat mich das sehr angesprochen. By the way, dieser Artikel hat mich dazu gebracht, diesem Comic eine Chance zu geben, ich habe es nicht bereut. Danke!

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