Buch Review: 75 Jahre DC Comics - Die Kunst moderne Mythen zu schaffen - Neuedition (Taschen)

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Buch Review: 75 Jahre DC Comics - Die Kunst moderne Mythen zu schaffen - Neuedition (Taschen)

An diesem Wochenende gab es für mich ausnahmsweise mal keinen Comic zum Stöbern. Der Taschen Verlag setzte mir nämlich eine Neuedition ihres Großwerks „75 Jahre DC Comics. Die Kunst moderne Mythen zu schaffen“ vor die Nase und ich konnte einfach nicht anders, als mich zwei Tage darin zu vergraben.
Die Aufarbeitung der amerikanischen Comic-Historie, die bis an den Anfang des vergangenen Jahrhunderts zurückreicht und vor allem in den frühen Jahren im heutigen DC Comics Verlag den wohl erfolgreichsten und bekanntesten Player fand, wurde schon mehrfach in Angriff genommen. Ob nun Les Daniels „DC Comics. Sixty Years of the World’s Favorite Comic Book Heroes“ aus dem Jahr 1995 oder auch die tonnenweise im Netz zu findenden Fan-Publikationen, so fest die Geschichte in Stein gemeißelt auch sein mag, ein aktuelles und vor allem annähernd umfassendes Gesamtwerk fehlte jedoch.
Dies dachte sich auch der ehemalige DC-Verlagsleiter Paul Levitz, der anlässlich des 75. Geburtstages seines Verlages im Jahr 1999 ein Großwerk plante, das einen ungefähren Abriss des Werdegangs des Hausverlages von Superman, Batman oder auch Wonder Woman geben sollte. So entstand „75 Jahre DC Comics. Die Kunst moderne Mythen zu schaffen“, welches erstmals 2010 als buchstäblich überdimensionales, 720 Seiten starkes Buchmonster aka. mobile Trennwand für den Wohnzimmerbereich in den Handel kam.

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Der Taschen Verlag brachte das Buch, welches in einem passend gefertigten Karton, samt Tragelasche geliefert wurde, ebenfalls in Deutschland in den Handel, was auch bei uns in der Community nicht wirklich lange ein Geheimnis blieb. Der recht üppige Preis i.H.v. 150,00 € war jedoch nicht für jeden Leser erschwinglich, so dass man einige Jahre später begann, die einzelnen Dekaden des Golden, Silver und Bronze Age in immer noch recht großformatigen Hardcover Bänden einzeln in die Läden zu bringen, welche zum Coverpreis von 39,99 € schon deutlich bezahlbarer waren und diesmal sogar in gänzlich deutscher Übersetzung vorlagen, anstatt lediglich mit deutscher Übersetzung als Beiheft. Doch leider waren die Verkaufszahlen wohl nicht einschneidend genug, weshalb nach 3 Bänden Schicht im Schacht war und die Fans bezüglich der ausbleibenden Dark Age und Modern Age Bände in die Röhre schauen mussten. Mein Herz blutet noch heute.

Doch das Konzept des Buches und vor allem die liebevolle Gestaltung waren wohl zu schade, um es Lesern mit schmalerem Geldbeutel nicht zugänglich zu machen, weshalb Taschen nun einen Mittelweg schuf und das große Gesamtwerk in etwas kleinerer Version noch einmal auf den Markt bringt, jedoch diesmal nur für 49,99 €.

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Für einen ungefähren Größenvergleich seht ihr auf dem letzten Bild hier drüber das große Marvel Werk „75 Jahre Marvel. Von den Anfängen bis ins 3. Jahrtausend“, welches von den Maßen her genau dem ursprünglichen DC-XXL-Buch von 2010 entspricht. Rechts daneben die aktuelle Neuedition „75 Jahre DC Comics. Die Kunst moderne Mythen zu schaffen“ sowie ein Panini Comics Paperback zum Vergleich. Bananen waren aus.

Unterschiede zwischen der Original-XXL- und Neuedition

Nun, unterscheiden tun sich beide Bücher lediglich im Format und dem Layout. Während das Originalbuch im Karton knapp 47 cm hoch war und gefühlt so viel wog wie ein Auto, kommt mir der ca. 5 kg schwere Brocken der immer noch überformatigen Neuedition dagegen schon fast handlich vor. Wie auch das Original-XXL-Buch ist auch dieses vollständig in englischer Sprache, wobei wieder ein sehr ausladendes und diesmal auch großformatiges Beiheft samt deutscher Übersetzungen beiliegt. Inhaltlich unterscheiden sich Neuedition und das XXL-Buch von 2010 jedoch nicht.

Unterschiede der Neuedition zu den Einzelbüchern

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Wie oben bereits erwähnt, begann der Taschen Verlag nach dem Erscheinen des XXL-Buches jede Epoche noch einmal als Einzelband zu veröffentlichen. Bereits nach der ersten Ausgabe zum Golden Age of DC Comics wurde schnell klar, dass diese Einzelbücher die jeweiligen Epochen deutlich umfangreicher abhandelten als dies im großen Gesamtwerk geschehen ist. Dies ist ein Aspekt, vor dem sich auch die Neuedition des XXL-Buches beugen muss, denn an den summierten Umfang der einzelnen Bücher kommt auch diese nicht heran. Schlägt das Gesamtwerk mit gut 720 Seiten zu Buche, lieferten schon die drei erschienen Bücher zu den ersten drei von fünf Epochen mit insgesamt knapp 1.200 Seiten deutlich mehr Material.
Ein weiterer Aspekt, der sich für die einzelnen Bücher aussprach, war, dass diese gänzlich in deutscher Übersetzung vorgelegt wurden. Der große Nachteil jedoch ist und bleibt, dass nach dem Bronze Age mit den Einzelbänden Schluss war und der Leser somit keine Chance mehr hatte, in die anderen beiden Epochen einzutauchen.

Worum geht’s überhaupt?

Ja, gute Frage. Nachdem ich nun die ganze Zeit über Formate und Unterschiede geschwafelt habe, schauen wir doch etwas mehr auf den Inhalt des Buches. Der Taschen Verlag ist zwar in erster Linie für seine opulenten Bildbände und anspruchsvollen Kunstbücher bekannt, findet jedoch im Verlagsgründer Benedikt Taschen einen früheren passionierten Comic-Leser, der sogar selbst, nach eigenen Aussagen, einige Zeit als Comic-Händler tätig war. Bei DC Comics begann man bereits gegen 2007/2008 mit der Planung für ein umfangreiches Historienbuch und der Taschen Verlag schien schnell die beste Wahl dafür zu sein, da der Verlag mit den Ideen für die opulente Aufmachung zum Werk genau den Nerv der Comic-Schaffenden traf.

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Und so setzte sich Paul Levitz daran, die Geschichte seines Verlages in Wort und Bild wiederzugeben, wobei ein Großwerk mit mehr als 2.000 Bildern von Covern, Seiten, Illustrationen und Fotos herauskam, die den Werdegang von DC Comics von den frühsten Stunden der National Allied Publications und Malcolm Wheeler-Nicholson in den Jahren 1934 und 35 bis hin zur Zeit nach der „Infinite Crisis“ und der Digitalisierung des Comics einschließt. Herausgekommen ist dabei ein visuell durchweg atemberaubendes Erlebnis, das, Levitz’ umfangreichem Backgroundwissen geschuldet, mit vielen kleinen Anekdoten und Ereignissen des Verlages auffahren kann.
Die Fanboy-Brille sollte beim Lesen jedoch fest sitzen, denn wirklich heikle Passagen in der nicht immer moralischen sauberen Geschichte von DC Comics finden sich indes nicht im Buch. Ob nun die Captain Marvel Streitereien mit dem Fawcett Verlag oder die bis heute beispiellose Abzocke der Superman-Erfinder Jerry Siegel und Joe Shuster, eine Bewältigung der dunklen Vergangenheit des Verlages sucht der Leser hier vergebens. Doch dafür war das Buch scheinbar auch nie gedacht, denn Levitz sieht sich selbst als Fanboy und hat seine Zusammenstellung auch genau für solche geschrieben und unter Anbetracht dieser Prämisse, erscheint das Ergebnis makellos.

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Viele der enthalten Bilder der Original-Comics sollen Fotografien bzw. Scans der Sammlung von Ian Levine sein (der britische Musik-Produzent gibt an, jedes der je offiziell erschienenen DC Comics mindestens einmal in seiner Sammlung zu haben), wobei für mich vor allem die Background-Infos und Archivaufnahmen des Verlages einen sensationell intensiven Einblick bekommen ließen.

Tja, „75 Jahre DC Comics. Die Kunst moderne Mythen zu schaffen“ ist bis heute ein Meilenstein in der bebilderten Aufarbeitung von Comic-Historie. 2011 wurde das Werk deshalb auch mit einem Eisner Award bedacht. Wer also schon immer mal mit dem Gedanken spielte, sich dieses Monumentalwerk ins Haus zu holen, jedoch von Größe und Preis abgeschreckt war, sollte und muss nun zugreifen. Die Verarbeitung das Hardcover-Bandes ist über jeden Zweifel erhaben, was man schon an der Stabilität des Schutzumschlages spürt. Für knapp 50,00 € erscheint mir die Ausgabe fast geschenkt, denn in so viel liebevoll zusammengestelltem Material kann man für mehrere Tage abtauchen. Ein Fanboy-Meisterwerk das seinesgleichen sucht.

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5-Sterne

Titel: 75 Jahre DC Comics. Die Kunst moderne Mythen zu schaffen
Verlag: Taschen Verlag
Format: Hardcover
Vö-Datum: 05.05.2017
Originalausgaben: s/t
Seitenzahl: 480
Autor: Paul Levitz u.a.
Preis: 49,99 €

(Picture Copyright: Taschen Verlag)

Weitere Comic-Publikationen im Taschen Verlag:

„Only nothing is impossible.“ - Grant Morrison

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Simon Segur
Gast

Danke für den Hinweis und die sehr schöne (und erfrischende (mobile Trennwand ;Bananen waren aus)) Rezi. Wie bei Zinklette wird das spätestens auf meinem Wunschzettel landen! Liebe Grüße!

Zinklette
Gast

Toll, dass sie es nochmals auf diese Art und Weise versuchen. Ich war damals wirklich enttäuscht, als nach dem dritten Band Schluss war. Natürlich muss der Verlag wirtschaftlich arbeiten, für mich als Leser dennoch traurig. Vor allem da, wie du auch schreibst, ziemlich viel Mühe und Liebe in den Bänden steckt.
Werd das mal iwann im Sale mitnehmen oder als Wusch beim Christkind deponieren 😉