Comic Review: Echo Bd. 01 – Atomic Dreams (Schreiber & Leser)

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Comic Review: Echo Bd. 01 – Atomic Dreams (Schreiber & Leser)

Der Hamburger Schreiber & Leser Verlag hat sich den nächsten dicken Fisch aus Terry Moores eigenem Haus-Label Abstract Studio gefischt: „Echo“.
Die 30 US-Ausgaben starke Reihe erschien in den Staaten zwischen 2008 und 2011 und stellt nach dem Erfolgs-Comic „Strangers in Paradiese“ und dem großartigen Mystery-Thriller „Rachel Rising“ eine weitere Perle aus Moores Portfolio dar, die nun in deutscher Sprache erscheint. Wie gewohnt schreibt und zeichnet Mr. Moore seine Comics selbst, wobei er mit der vom Pech verfolgten Fotografin Julie Martin wieder eine starke, weibliche Protagonisten für seinen ungewöhnlichen Trip in eine neue Geschichte verwendet.

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Ein geheimes Regierungsexperiment mit einem neuartigen Flüssigmetall, das sich zu einer Art Kampfanzug auf der Haut des Tragenden zusammensetzt, geht gewaltig schief und es kommt zu einer heftigen Explosion, die beinahe atomare Ausmaße annimmt. Die Fotografin Julie Martin wollte indes in der Gegend lediglich etwas fotografieren, als sie das Resultat der Explosion am eigenen Leib spürt: denn das verflüssigte Metall setzt sich genau auf ihrem Brustkorb ab und formt eine Art Chrompanzer.
Das Schicksal scheint die junge Dame tatsächlich gefressen zu haben, denn Julie ist nicht nur chronisch pleite, sondern steckt auch mitten in einem emotional sehr belastenden Scheidungsstreit… was macht es da schon, wenn eine neuartige Legierung aus Flüssigmetall, mit dem eigenen Körper eine scheinbar untrennbare Verbindung eingeht?
Da das Material nicht nur unfassbar teuer, sondern auch entsetzlich gefährlich zu sein scheint, setzt die Regierung alles Mögliche in Bewegung, um Julie zu verhaften, denn ihre baldigen Fähigkeiten könnten zu einem heiklen Problem für den offenbar nicht wirklich legal agierenden Regierungszweig werden. Dumm nur, dass Julie nicht die einzige Person war, die etwas von dem Metall abbekommen hat.

Wie bereits in seinen anderen Publikationen stehen bei Terry Moore die einzelnen Figuren im Mittelpunkt des Geschehens, die Stück für Stück ihren eigenen Background erarbeiten und sich kontinuierlich mehr Tiefe verleihen. Drumherum entwickelt er ein spannendes Sci-Fi-Story-Korsett, das sich anfänglich zwar Zeit lässt, doch mit dem Voranschreiten immer mehr Fahrt aufnimmt und den Leser regelrecht in die Seiten hineinzieht.
Auch wenn der Plot letztendlich wissenschaftlich sicherlich recht diskutabel präsentiert wird, erzeugt Moore dennoch sehr gelungen genau den roten Faden, der die Thematik im Kern klassifiziert: das Verhältnis von Mensch und Technik sowie der darin liegenden Ethik und der verheerenden Gefahren die sie mit sich bringt.
Das alles kommt wunderbar ausbalanciert und fast schon unscheinbar daher, denn Moore lässt sich immer Zeit für genügend subtilen Witz und die üblichen kleinen Nuancen, die seine Geschichten bisher so wunderbar unterhaltsam machten. Terry Moore ist und bleibt ein Story-Teller, der seine fast schon pragmatischen Schwarz-Weiß-Zeichnungen immer nur für das nutzt, was er auch erzählen will: kinoreife Unterhaltung, die für mich bisweilen sogar ein leichtes Silver-Age-Marvel-Flair transportierte.

Der erste Band der Reihe ist mit seinen 216 Seiten und den ersten 10 US-Ausgaben vergleichsweise recht üppig, wobei man bis zum Abschluss wohl auf ganze drei Bände kommen wird, sofern Schreiber & Leser den Umfang so beibehält. Ein mehr als lohnenswerter Auftakt also, denn was das Comic-Talent Moore mit „Echo: Atomic Dreams“ präsentiert, ist absolut gelungene US-Indie-Comic-Kunst. Vom Superhelden-Fan bis zum Image-Puristen, an diesem Comic sollte kein Weg vorbei führen!

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4,5-Sterne

Titel: Echo Bd. 01 – Atomic Dreams
Verlag: Schreiber & Leser
Format: Softcover
Vö-Datum: 06.06.2017
Originalausgaben: US Echo #01-10
Seitenzahl: 216
Autor: Terry Moore
Zeichner: Terry Moore
Preis: 18,95 €

(Picture Copyright: Schreiber & Leser / Abstract Studio)

„Only nothing is impossible.“ – Grant Morrison

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Neal Jackson
Gast

Gleich mal geordert. Danke für den Tipp! 😉

El Duderino
Gast

Dito. Bin sehr gespannt drauf!

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