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Review: Wonder Woman #6 - Azzarello verabschiedet sich und zeigt noch mal: so geht Comic!

  • Beitrags-Autor:
(Copyright: Panini Comics)
Mit Ausgabe #35 endet er nun also, der Run von Brian Azzarello (100 Bullets, Joker, Hellblazer) an Wonder Woman.
Seit 3 Jahren, seit dem DC Neustart mit den New52, schrieb der bärtige Glatzkopf, aus Cleveland - Ohio, an der charmanten Amazonen-Kriegerin und spaltete diese förmlich vom übrigen DC Universum ab. Wir haben Diana natürlich noch in vielen anderen Serien - unter anderen Autoren - gesehen, dennoch behandelte Azzarello sein Treiben quasi eigenständig, losgelöst und unberührt von der übrigen Kontinuität.
Das gefiel nicht jedem Leser. Vor allem den Kontinuitäts-Besessenen, die mehrere Serien eines Verlages lesen, die nach Verknüpfungen suchen, die Zusammenhänge erkennen wollen, hatten zum Teil ihre Problemchen mit dem Star-Autor.
Dennoch machte für viele andere Leser aber genau diese Unbefangenheit den gewissen Reiz aus, sich mit der Amazone überhaupt beschäftigen zu wollen. Denn Wonder Woman hatte keine Crossover, keine Kreativteamwechsel, die alles vorhergehende umwarfen, einen neuen Lesefluss ansteuerten oder gänzlich anders agierende Charaktere darstellten. Nein, hier gab es eine auf 37 Ausgaben (inkl. #0 und 23.2) angelegte Reise, ohne Lücken und Stolpersteine... eine Reise die nun im 6. und letzten Band von Brian Azzarello ihr Ende findet.

Der Krieg steht bevor. Diana hat die Amazonen wieder an ihrer Seite, aber ihre Mutter nicht. Was Diana letztendlich zur neuen Königin der Amazonen macht. Sie wappnet sich für den Kampf, um sich ihrem großen Bruder, dem Erstgeborenen ihres Vaters Zeus zu stellen. Der Erstgeborene bringt Tod und Verderben, nimmt den gesamten Olymp ein und tötet seine Geschwister... und hat es nun auch auf seinen jüngsten Bastard-Bruder Zeke sowie seine Schwester Diana abgesehen. Doch Wonder Woman gibt nicht kampflos auf und stellt sich dem Monster... ihrem Halbbruder.
WW #35 (Copyright: DC Comics)
Die seit dem ersten Band aufgebaute Geschichte findet nun ihr dramatisches, episches Finale und setzt uns als Leser einen Widersacher vor die Nase, der wahrlich Ehrfurcht erregt und dessen grausame Bösartigkeit bis in die letzten Zellen zu dringen scheint.
Azzarello hat es geschaft die Kriegerprinzessin, und später zur Göttin des Krieges ernannte Wonder Woman, für uns gänzlich neu zu definieren und ihr ein deutlich tieferes Bild als bisher zu verpassen. Sein Spiel mit der griechischen Mythologie und der durchdachten Personalisierung und Vermenschlichung der Göttlichkeit, ist einfach ein atemberaubendes Leseabenteuer. Mit fantastischen Nebencharakteren, umwerfernden Dialogen und einer komplex angelegten Geschichte, in tollen Settings und Momenten, würdigt dieser Abschlussband einen gnadenlos großartigen Run.
Das Artwork von Cliff Chiang (Human Target, Detective Comics) drückte der Serie von Anfang an ihren Stempel auf. Seine Darstellung der Schlacht von Themyscira oder des vom Erstgeborenen erschaffenen Fleisch-Olymps sind einmalig. Sein dezent Pop-Art-lastiger Ziechenstil sowie die traumhaft schöne Koloration verschafften der Serie ein besonderes, visuelles Alleinstellungsmerkmal. Der Kroate Goran Sudžuka, der ihm bei mehreren Ausgaben unter die Arme griff, erreichte zwar nie ganz die Tiefe Chiang’s, passte sich dessen Stil aber immer mehr an, so dass Übergänge zwischen den Zeichnern meist nur marginal auffielen.
Azzarello hat für mich mit diesem Run eine seiner besten Arbeiten abgeliefert, über die man wohl noch in vielen Jahren sprechen wird. Nicht nur die wahrscheinlich durchgängig qualitativste DC Serie seit dem New52-Neustart, sondern auch einer der besten Wonder Woman Runs der letzten 40 Jahre. Ihr mögt Superhelden-Comics? Dann gehören diese 6 Bände definitiv in eure Sammlung!
Leider keine Leseprobe erhältlich.

Bewertung:

Verlag: Panini Comics
Format: Softcover
Vö-Datum: 26.05.2015
Originalausgaben: US Wonder Woman #30-35
Seitenzahl: 132
Sprache: Deutsch
Preis: 16,99 €

Darf gern geteilt werden! 🙂

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