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Review: The Unwritten #6: Tommy Taylor und der Krieg der Wörter

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(Copyright: Panini Comics)
Diese Review fällt mir schwer. Zum einen, da ich, während ich diese Zeilen tippe, immer noch nicht weiß, wie ich euch diese unfassbar großartige Comic-Story begreiflich machen soll, ohne euch dabei massiv zu spoilern. Und zum anderen, aufgrund des Wissens, dass die Verkaufszahlen von “The Unwritten” in Deutschland so erheblich schlecht sind, dass der Panini Verlag diesen sechsten Band als Erfolgsbarometer ansetzen muss, wovon das Weiterlaufen der Serie in deutscher Sprache abhängt. Diese Ausgangssituation ist wahrlich beschämend. Wenn man sich den Output des Panini Verlages ansieht, scheint es dem Medium Comic in Deutschland so gut wie nie zu gehen. Wahrscheinlich zurückzuführen auf den enormen Auswurf an Superhelden-Verfilmungen seitens Hollywood sowie einer sehr bekannten TV-Serie um vier junge Nerds, die Comics lieben, erfreuen sich die bunten Bilderbücher in Deutschland immer mehr Popularität. In Frankreich oder Belgien längst als Kunstform etabliert, beschränkte sich die gesellschaftliche Haltung gegenüber Comics bisher meist auf: “Kinderkram”. Aber es tut sich was, denn die Käuferschar wächst, genau wie die Anzahl an publizierten Titeln. Und das ist auch gut so.
Daher mag es wie Meckern auf hohem Niveau klingen, aber die Welt der Comics besteht nicht nur aus Superhelden. Die amerikanischen Verlage haben das früh erkannt und begannen alternativere Titel über Unterverlage zu publizieren. Einer dieser Verlage ist Vertigo (Unterverlag von DC Comics, gegründet 1993) und einer seiner aktuellsten Titel ist Mike Careys “The Unwritten”.
Carey ist in der Welt der Comics kein Unbekannter. So schrieb er bereits für Vertigo einen wunderbaren Run an “Hellblazer” (ebenfalls bei Panini erschienen) sowie einige andere Arbeiten, u.a. an den “X-Men” und “Fantastic Four” für Marvel Comics. “The Unwritten” zählt jedoch bis dato zu seinen komplexesten Werken und stellt, in meinen Augen, einen der wichtigsten Titel im aktuellen Vertigo Programm dar.
Doch worum geht es überhaupt? Kurz gesagt: um Fantasie, Literatur und die Macht des Erzählens. Eine böse Organisation, die weiß, diese Macht zu nutzen, und mutige Helden, die sich ihnen in den Weg stellen. Tom Taylor, Sohn des berühmten aber verschwundenen Autors Wilson Taylor, der mit einer Romanreihe, benannt nach seinem Sohn (Tommy Taylor), Erfolge feierte, die viele von uns wohl mit Harry Potter vergleichen würden. Und Tom, bzw. Tommy Taylor ist auch die Schlüsselfigur dieser epischen Odyssee, in der sich Realität und Fiktion zu vermischen beginnen und die kreative Kraft der Literatur eine Macht darstellt, die man für das Gute und das Böse einsetzen kann.
Im mittlerweile sechsten und dicksten Band der Reihe erfahren wir, dass alles Leben auf der Existenz Leviathans beruht, das Wesen das sich von Geschichten und Erzählungen der Menschen ernährt und die Welt genau nach diesen formt. Die Organisation, genannt “Kabale”, hat gelernt, diese Macht für sich zu nutzen und zu kontrollieren, und das seit Jahrtausenden. Daher kontrollieren sie das Sein, das Leben und die Existenz eines jeden Einzelnen. Wer steuert, was die Menschen über die Welt denken, steuert nicht nur die Gedanken, sondern die gesamte Welt. Tommy und seine Freunde habend der “Kabale” den Krieg erklärt und so kommt es zu einem Showdown im Hauptquartier der finsteren Organisation.
Die Hälfte des Bandes besteht jedoch aus illustrierten Tagebucheinträgen Wilsen Taylors, die die Geschichte der “Kabale” näher beleuchten und ihre Bedeutung in der Historie deutlich vertiefen.
Auch der sechste Band dieser Ausnahme-Serie fungiert wie ein literarischer Flipper und liefert Querverweise von Orwell, Mary Shelly, Lovecraft bis hin zu Shakespeare. In einer Reihe mit Serien wie “Sandman”, “Fables” oder gar “Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen” wirkt “The Unwritten” wie eine Vollendung kreativer Schaffenskraft, welche zu einer Reise in die Geschichte selbst einlädt. Eine Geschichte, in der Fiktion und Realität eins sind. In der Erzählungen, die wir lieben, ein Teil von uns sind, ein Teil von unserer eigenen Geschichte, wodurch wir als Leser zu einem Teil von “The Unwritten” werden.
Der anfänglich bereits erwähnte Ausgangspunkt, dass sich “The Unwritten” in Deutschland bisher, auch wenn völlig zu Unrecht, nur mager verkaufen lässt, wirft etwas Wehmut in die Euphorie, die man anlässlich dieses wunderbaren Comic-Erlebnisses verbreiten möchte. An Panini selbst soll es nicht liegen, denn in deren Redaktion sitzen Fans, die die Serie unbedingt nach Deutschland holen wollten und sich bis jetzt verzweifelt an die Weiterveröffentlichung klammern. Es wäre ein herber Verlust, würde diese Comic-Serie vom deutschen Markt verschwinden. Es liegt an euch, das zu verhindern!
aktuell im blog:  Comic Review: Batman - Der letzte Ritter auf Erden (Panini Comics)

Bewertung:

 

Verlag: Panini Comic
Format: Softcover-Paperback
Vö-Datum: 08.04.2014
Originalausgaben: US The Unwritten 31-35.5
Seitenzahl: 244
Sprache: Deutsch
Preis: 26,99 €
Ursprünglich erschienen im DeepGround Magazine

Darf gern geteilt werden! 🙂

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