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Review: Im Eisland #1: Die Franklin-Expedition - ein Comicdebüt über eines der grausamsten Schicksale der brittischen Seefahrt

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(Copyright: Hinstorff Verlag)
Die Ereignisse rund um die Franklin-Expedition sind so faszinierend wie schockierend.
Im Mai 1845 liefen die Schiffe HMS Terror und HMS Erebus unter der Führung von Sir John Franklin, samt einer 129 Mann starken Besatzung aus. Ziel war es die Nordwestpassage erstmals aus ost-westlicher Richtung zu durchqueren und kartografisch zu erfassen. Es sollte ein kürzerer Seeweg von Europa nach Asien gefunden und gleichzeitig ein nie dagewesener Expeditionserfolg erzielt werden. Denn nach über 300 Jahren vergeblicher Versuche, sollte die brittische Seefahrt in die Geschichte eingehen und erstmals dieses schier unmögliche Unterfangen meistern.
Niemand kehrte von dieser Reise zurück und das grausame Schicksal der Crew und ihrerer Admiralität beschäftigt bis heute Historiker und Medien.
Im September 2014 gab die kanadische Regierung bekannt, vermutlich die HMS Erebus in der Victoria Strait, eine Meerenge im nord-kanadischen Nunavut, gefunden zu haben. 6 Jahre und 6 groß angelegte Expedition hat es benötigt, um Sonarbilder des teilweise noch intakten Schiffes zur erhalten.
Die Erkenntnisse darüber, was wirklich mit John Franklin und seiner Crew geschehen ist, basieren bis heute auf einigen Fakten und vielen Theorien. Das was als optimistisches, aber zum Scheitern verurteiltes Unterfangen begann und vermutlich im ausweglosen Kannibalismus endete, ist das Thema von Im Eisland #1: Die Franklin-Expedition.

Die Graphic Novel ist angelegt auf 3 Bände und erzählt die Geschichte der Expidition vom Auslaufen der Schiffe, bis zum vermeintlichen Ende der Besatzung sowie einigen Szenen zu Charles Francis Halls Bestrebungen, die Schiffe ca. 20 Jahre nach deren Verschwinden, aufzuspüren.

Band #1: Die Franklin-Expedition erschien nun im Hinstorff Verlag. Band #2: Gefangen und Band #3: Verschollen folgen im Herbst und Frühjahr.
Kristina Gehrmann ist eine junge Autorin und Zeichnerin aus Hamburg, die mit Im Eisland ihr Comicdebüt abliefert. Gehrmann zeichnet und schreibt selbst. In einfachen und fast manga-esquen Schwarz-Weiß-Bildern versucht sie die historischen Ereignisse so detailgetreu wie möglich nachzuerzählen. Das Artwork ist alles andere als opulent, sondern dient vielmehr als Mittel zum Zweck und liefert realistische Illustrationen der wahrscheinlich so stattgefundenen Begebenheiten. Selbst das stellenweise eher ungewöhnliche Lettering passt wunderbar ins Bild und fördert den Lesefluss.
Das Prunkstück dieser Graphic Novel ist jedoch die umfassende Recherchearbeit Gehrmanns, die sich in Handlung und Zeichnungen widerspiegelt. Ob Figuren wie Petty Officer John Torrington, dessen Leidensweg detailliert beschrieben wird oder auch der Schiffsaffe Jacko. Jeder Handlungsfetzen scheint auf belegten Informationen zu basieren.
Auch die Darstellungen der Figuren wurden den Belegen nachempfunden. Als Bsp. Sir John Franklin und die Adaption im Comic. Eine Beachtliche Arbeit!
Kristina Gehrmann hat sich für ihre Debütarbeit ein komplexes Thema ausgesucht, bei dem jeder falsch gewählte Arbeitsschritt zum Verhängnis werden könnte. Doch sie wird dem Mammutwerk mehr als gerecht und sollte es schaffen, sich mit dieser Arbeit schnell einen Namen zu machen. Es wäre ihr zu wünschen.
Im Eisland ist sehr gut geschrieben, sauber gezeichnet und erstklassig recherchiert. Nicht nur Freunde der Seefahrt-Historie und spannender Abenteuergeschichten sollten diesen Comic auf dem Zettel haben. Ein wunderbares Erstlingswerk, einer jungen Künstlerin!
Eine Leseprobe gibt es hier.

Bewertung:

 

Format: Softcover
Vö-Datum: 10.03.2015
Seitenzahl: 224
Sprache: Deutsch

Preis: 16,99 €

Darf gern geteilt werden! 🙂

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