2 Nerds schauen TV - RECAP: Marvel’s Daredevil Staffel #02 - feat. DeepRedRadio

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(Copyright: Netflix / Marvel)
Na, wie weit seid ihr? Ihr hattet gut drei Wochen Zeit für das heiß ersehnte Binge-Watching-Event, das Netflix uns Mitte März geliefert hat und ich hoffe, ihr seid genauso gehyped auf den Zug aufgesprungen, wie ich. Marvel’s Daredevil ging in die zweite Runde und brachte so einige Neuerungen mit sich.
Im nachfolgenden RECAP lassen der Tobe (Moderator beim Filmmagazin DeepRedRadio) und ich uns zum Serien-Highlight des jungen Jahres aus und erläutern euch, ob uns die zweite Daredevil Staffel gefallen hat. Wer Angst vor Spoilern hat, liegt mit dieser Sorge verdammt richtig. Also entscheidet weise, ob ihr vor dem Seriengenuss in diesem Beitrag stöbert. Auf geht’s!

(Copyright: Netflix / Marvel)
In einer epochalen ersten Staffel ist der Kingpin gefallen und der Mister Magoo des Marvel-Universums konnte letztendlich vor Kritikern und Zuschauern mit einem beeindruckenden Debüt punkten.
Seit dem 18. März ist nun die zweite Staffel Marvel’s Daredevil auf dem Streaming-Sender Netflix verfügbar und brachte fortan die Server des Senders zum Kochen. Bei der Qualität die hier geliefert wurde, ist das auch kein Wunder: denn auch im zweiten Anlauf zeigt sich der Teufel von Hell’s Kitchen als unbremsbares Erfolgskonzept!
Was bereits in der Vorberichterstattung durch Medien aller Art bekannt wurde, war, dass Matty sich in der neuen Staffel mit keinem Geringeren als dem Punisher auseinanderzusetzen hatte. Mit dem von Jon Bernthal gespielten Unterwelt-Powerhouse implementierte man nicht nur eine weitere Nebenfigur, sondern einen gleichwertigen Protagonisten, der der Serie viel mehr Facettenreichtum verleihen sollte, als sich anfänglich noch vermuten ließ.
(Copyright: Netflix / Marvel)

Der Background der Figur wird dabei mit bekannten Elementen erklärt: der Kriegsveteran Frank Castle gerät mit seiner Familie in ein Feuergefecht rivalisierender Banden, wobei alle bis auf Frank den Tod finden. Castle springt dem elenden Schicksal gerade noch von der Schüppe, doch die Trauer und die Wut sind zu groß und er wird alsbald zu einem gnadenlosen Vertreter der Selbstjustiz. Matt Murdock aka. Daredevil bleibt nicht verborgen, dass ein neuer Spieler auf dem Spielfeld ist. Nur überschreitet dieser ohne mit der Wimper zu zucken die Prinzipien, die Matt sich selbst auferlegt hat.
Dabei bleibt es jedoch nicht. Während Matt und Karen sich langsam einander annähern, taucht wie aus dem Nichts Matts alte Jugendliebe Elektra auf (gespielt von Elodie Yung), unter den Armen zwei Koffer voll Probleme. Sie macht ihm Klar, dass Matt dem Irrglauben verfallen ist die Yakuza aus Hell’s Kitchen vertrieben zu haben, denn unter der Oberfläche brodelt es. Schlimmer als Matt es sich je erträumt hätte.

(Copyright: Netflix / Marvel)
Bereits in der ersten Staffel war es eine große Stärke der Serie Easter Eggs und vorlagenbasierte Story-Elemente in die Handlung zu implementieren. Geschickt eingewoben in ein durch und durch flüssiges Handlungskonzept funktioniert der Plot wunderbar, ob man die Anspielungen und Verweise nun erkennt oder auch nicht.
Die beiden am meisten zitierten Autoren werden wohl Frank Miller (u.a. Sin City, The Dark Knight Returns) und Garth Ennis (u.a. Preacher, The Boys) sein. Da der Punisher neben Daredevil eine der zentralen Figuren der Staffel ist, war es abzusehen, dass Ennis-Verweise auftauchen, wo er doch mit Abstand die wahrscheinlich wichtigsten Comics zur Figur geschrieben hatte.

Ein erstes Beispiel für ein geschickt eingebautes Comic-Zitat ist der Überlebende des vom Punisher verübten Massakers Grotto. Dieser stammt noch aus frühsten Miller Arbeiten an Daredevil, zu Beginn der 1980er Jahre. Die Spritztour die Matt mit Elektra im Sportwagen unternimmt, kennen Marvel Leser aus der legendären Story The Man Without Fear. Als Melvin über Matts Rüstung spricht und ihm zeigt, dass er selbst eine trägt, wird deutlich, dass eben jener Melvin Gladiator darstellen soll. Der Zellenblock mit der Bezeichnung „D“ in dem der Punisher festgehalten wird, ist bekannt aus der Daredevil Story von Ed Brubaker The Devil in Cell-Block D.
Mein liebster Verweis ist jedoch die Szene mit dem Punisher, der Daredevil in Ketten auf dem Dach festhält, um ihm die Wahl zu lassen: entweder Matt erschießt Frank mit einer in seiner Hand festgeklebten Waffe... oder Frank erschießt Grotto, den Matt versucht zu retten. Diese Szene stammt beinahe Eins-zu-Eins aus den Punisher Arbeiten von Garth Ennis, in der Frank noch deutlich gnadenloser mit Matt ins Gericht ging (Punisher: Garth Ennis Collection #01).

(Copyright: Marvel)

Es sind jedoch nicht nur Comics die zitiert werden, auch das eigene Film- und Serien-Universum wird für Querverweise herangezogen: die Biker Gang Dogs of Hell kennen Marvel Fans bereits aus Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D.
Auch sahen wir bereits in der ersten Staffel die Zeitungsartikel in Ben Urichs Büro, die über die  „Schlacht von New York“ berichteten, welche wir im ersten Avengers Film begutachten durften oder auch die „Schlacht von Harlem“, welche wir aus The Incredible Hulk kennen.
Mit Figuren wie Claire Temple (die auch in der ersten Staffel als Night Nurse aktiv war), Jeri Hogarth oder auch Samantha Reyes wird folglich die Crossover-Brücke zu Marvel’s Jessica Jones geschlagen.

Das Besondere an der Verwendung dieser Elemente ist jedoch, dass man sie beim Ansehen der Episoden kaum bemerkt. Vollkommen selbstverständlich, ohne jemals aufdringlich zu wirken, wird ein comic-gleicher Plot geschaffen, der den Spannungsbarometer auf Schmerzgrenze hält. Für meinen Geschmack eine noch deutlich intensivere Staffel als der Vorgänger, die mit ihren geschickten Verwebungen ein atemberaubendes Marvel-Erlebnis kreiert. Was mir eine satte 4,5 von 5 Punkten-Bewertung wert ist.
Um das Ganze noch aus etwas kinematographischer Sicht zu betrachten, überlasse ich nun meinem geschätzten Kollegen Tobe das Wort.

(Copyright: Netflix / Marvel)

Tobe (Deep Red Radio): 

Figurenkonzeption. Einige entwickeln sich weiter, andere werden sträflich übergangen und/oder nur durch ihr Handeln definiert. Zum Beispiel die Figur des Foggy Nelson (verkörpert durch Elden Henson) oder auch Karen Page (Deborah Ann Woll). Beide besitzen Potenzial, aber leider dienen diese nur als Stichwortgeber oder um die Handlung in eine bestimmte Richtung zu lenken. Einfach gesagt sie wirken eher blass. Es bleibt zu hoffen, dass Showrunner Drew Goddard dem Ensemble zukünftig mehr Raum zur Entfaltung lässt. Wie es auch anders geht, zeigte eindrucksvoll Marvel’s Jessica Jones aus der Feder von Melissa Rosenberg. Dort lag die Gewichtung eindeutig in der Entwicklung und im Background des Personals. Und Personal ist auch ein gutes Stichwort.
(Copyright: Netflix / Marvel)

Dieses wurde, ähnlich dem Worldbuilding, ebenfalls vergrößert, wenn gleich für meinen Geschmack etwas zu viel. Daredevil, The Punisher, Fisk, The Hand, Elektra, Stick, Blacksmith, ... sind mir persönlich zwei bis drei Personen zu viel im Spiel. Inwieweit - Wer, Was, Wo - mit Daredevil zu tun hat, ist ein anderes Thema. Deshalb werde ich nur noch kurz auf den großen Antihelden der Geschichte eingehen.
Der Punisher gehört wohl zu den umstrittensten Charakteren im Comic-Universum. Ein Mann getrieben von Rache, der vor Mord, Entführung, Erpressung, Nötigung und Folter nicht zurückschreckt. Obwohl die Figur schon 1974 ihren ersten Auftritt in Amazing Spider-Man Nr. 129 feierte, so wurde die Person Frank Castle erst in den frühen 1980er Jahren richtig eingeführt. Also in der Zeit des Turbokapitalismus, der Regierung Reagan und der Hochphase des kalten Krieges.

(Copyright: Netflix / Marvel)

Der Punisher ist somit der Prototyp aus Dirty Harry und einem Lonesome Cowboy, der das Gesetz mit eiserner Faust durchsetzt. Im Grunde genommen ein Vorzeige-Republikaner im Sinne von Donald Trump und der Tea-Party-Bewegung. Zumindest auf den ersten Blick. Denn die Figur des Frank Castle gestaltet sich in Daredevil ambivalenter als gedacht. Weniger Clint Eastwood und dafür mehr John J. Rambo (in der David-Morrell-Version).
Hier soll eindeutig dem reaktionären Amerikaner den Spiegel vorgehalten werden. Denn Frank Castle präsentiert sich hier als gebrochener Mann mit einem Trauma, das sich in einer Vendetta gegen das Übel der Welt äußert und letztendlich vom Wunsch der Selbstzerstörung beseelt ist. Frei nach dem Motto: Fight Fire with Fire! Und ist damit auch einer der wahrscheinlich interessantesten Figuren, nebst Wilson Fisk, in der zweiten Staffel. Doch was dem einen das Drama, ist dem anderen die Action.

(Copyright: Netflix / Marvel)

Auch in der zweiten Staffel blieb man sich dem Action-Konzept von Stunt Performer und Martial Artist Chris Brewster und seinem Sideswipe Team treu und erweitert höchstens die Dimension des Machbaren. Wo die berüchtigte Hallway Fight Scene (Folge 2 Cut Man; erste Staffel) für Aufsehen sorgte, so wurde diese in abgewandelter Form in ein Treppenhaus verlagert und nochmals um eine ganze Schippe voll knochenharter Mann-gegen-Mann-Action bereichert.
Die Kämpfe strotzen weiterhin vor kinetischer Energie und bis auf eine kleine Hommage ans 1980er Kino des John Woo, ziemlich geerdet und „realistisch“. Schläge und Tritte sollen in der Konsequenz auch Verletzungen und Schmerzen nach sich ziehen. Ein löblicher Schritt, der aber bei unserem Helden Matthew „Matt“ Murdock oftmals seltsame Züge enthüllt und in der Gesamtbetrachtung der zwei Staffeln ein häufig auftretendes Drama-Vehikel bildet. Was sich mir so präsentiert, als ob die Showrunner im Writers Room saßen und dachten: „Hm, wir nehmen einfach gut funktionierende Handlungselemente aus Staffel 1 und basteln sie per Copy & Paste in die Zweite“. Für mich ist das leider ein ganz klares Zeichen, für ein lazy Script.

(Copyright: Netflix / Marvel)

Nichtsdestotrotz stellt die zweite Staffel, bis auf die wenigen Knackpunkte, eine gelungene Fortsetzung dar und kann sogar mit einigen neuen Highlights aufwarten.
Dennoch sollten sich die Showrunner darum bemühen, nicht nur den Fanservice im Auge zu behalten, sondern in erster Linie eine gute Story abzuliefern. Denn die Serie wird überwiegend für einen Weltmarkt konzipiert und nicht nur für eine Zielgruppe die das Marvel-Universum wie ein Regelfuchs aus dem Effeff beherrschen.
Ansonsten sehe ich positiv einer dritten Staffel entgegen und wünsche mir darüber hinaus ein Spin-Off zum Punisher sowie eine noch bessere Einbindung „fremder“ Serien-Stoffe/Charaktere wie Jessica Jones und Luke Cage in das Marvel-Cinematic-Universe von Netflix. Die zweite Staffel hat da schon einige Verweise gebracht und macht es für mich jetzt schon zum Teil besser und organischer als die großen Leinwandadaptionen der letzten Jahre. Somit gibt’s von mir klare 4 von 5 Punkte für Daredevil – Staffel 2.

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