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Comic Review: Thor Bd. 01 (Panini Comics)

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Comic Review: Thor Bd. 01 (Panini Comics)

Comic Review: Thor Bd. 01 (Panini Comics)

Bis vor gut 8 Monaten wurden wir hinters Licht geführt und dreist im Dunkeln gelassen. Darüber, wer denn nun die neue Thor ist, die Jason Aaron in seinem bisher extrem vielversprechenden Run am Donnergott eingeführt hat. Wie sich in der letzten Ausgabe vor dem „Secret War“ herausstellte („Iron Man / Thor“ #08), versteckt sich die mittlerweile schwer an Krebs erkrankte Jane Foster hinter dem Hammer von Odins Thronfolger.
In der anschließenden Post-Marvel-Now!-SerieThe Mighty Thor“, welche Panini Comics nun im Sonderbandformat startete, schicken sich eben jener Jason Aaron und auch Zeichner Russell Dauterman an, uns die jüngsten Abenteuer der frischgebackenen Asin zu erzählen.

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(Copyright: Panini Comics)

In früheren Geschichten, als der mächtige Thor noch unter dem Namen Dr. Donald Blake auf der Erde wandelte, arbeitete Jane Foster als Arzthelferin in seiner Praxis. Beide wurden ein Paar, was bei Thors Vater Odin nicht auf viel Gegenliebe stieß. Einige Jahre später, die Beziehung war längst Geschichte, wurde bei Jane ein Tumor festgestellt, wobei sie jedoch, mittlerweile als Vertreterin der Erde im kosmischen Kongress der Welten aktiv, jegliche magische Behandlung ihrer Krankheit ablehnte und gänzlich auf eine schmerzhafte Chemotherapie setzte.
Thors Schicksal sollte durch die Ereignisse im Event „Original Sin“ jedoch auch eine drastische Wendung nehmen. Nur ein Flüstern des alt gewordenen Nick Fury Sr. haben gereicht, ihn für seinen Hammer Mjolnir nicht mehr würdig erscheinen zu lassen, weshalb er nun beinahe der Lethargie verfallen, seinen einstigen Weggefährten auf dem Mond zurücklassen musste, wo die schwer angeschlagene Jane Foster ihn folglich ergriff und sich dem Hammer als würdig erwies.

Dies alles sind Ereignisse, an die „The Mighty Thor“ nun anknüpft: Asgard stehen schwere Zeiten bevor. Odin scheint gänzlich von den tückischen Spielchen seines Bruders eingenommen und sich endgültig in einen herrischen Despoten zu verwandeln, der nicht davor zurückschreckt, seine eigene Frau einzukerkern.
Die neue Thor, deren Identität allen anderen noch immer verborgen bleibt, gilt daher als Verräterin und wird in ganz Asgard gesucht, was dem drohenden Bürgerkrieg nun Tür und Tor öffnet. Die finstere Riege um den Dunkelelfen Malekith und Dario Agger schmiedet derweil weiterhin Pläne, ihre Herrschaft im Kosmos auszubauen und den Einfluss von Aggers Roxxon Corporation zu erweitern. Da fehlt natürlich nur noch einer im Bunde: Loki.

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(Copyright: Marvel)

Jason Aarons Arbeit an der Welt des Donnergottes, seit Beginn der Marvel-Now!-Ära (siehe Erläuterung weiter unten), spricht wahrlich für sich. Seine Ideen und Entwicklungen wirken stets plausibel und unterhaltsam, wobei die neue Thor für mich als Leser in ihrer Darstellung vollkommen funktioniert und ihrem beinahe zum Kult stilisierten Status gänzlich gerecht wird.
Die bemitleidenswerte Jane Foster, die in ihrer Krankheit Kraft im Wesen des Thors sucht, gibt der Hauptfigur eine wunderbare Dynamik, was vor allem durch das Zusammenspiel mit dem noch im Unwissen gelassenen Odinsohn und seiner mit Jane verwachsenen Vergangenheit einige ausbaufähige Soap-Elemente mit sich bringt.

Was den Figuren jedoch fehlt sind ihre Graustufen, denn Aaron extremisiert ihre Charaktere leider gänzlich: Odin ist der von Sinnen gebrachte Despot, Thor, die unfehlbare Heldin, der Odinsohn, der gebrochene Held, Freya, die wahrlich allwissende Allmutter, usw. Jeglicher Konflikt wird mit einer unmittelbar einsetzenden Gewalt begrüßt, was den Handlungsspielraum der Figuren leider zu sehr einschränkt.
Das wird der Fantasy-Heldenerzählung zwar gerecht, lässt jedoch bei Zeiten etwas Charaktertiefe vermissen, welche bei dieser bisher großartigen Story noch das i-Tüpfelchen ausmachen könnte.

Russell Dauterman, der bereits seit der letzten Serie mit an Bord ist, setzt seinen wunderbar detailreichen Stil fort und schafft es diese schon beinahe obskuren Schnittstellen zwischen nordischer Fantasy und außerirdischen Epen zu finden. Vor allem in den komplexen Collagen-Szenen zeigen sich Dautermans feine Linien, aber auch die von Matthew Wilson perfekt gewählte Farbpalette, als idealer Hingucker für die von Aaron beschriebenen Szenerien.

Jason Aarons Thor ist auch nach dem Neustart ein ziemliches Highlight der aktuellen Marvel-Publikationen, wobei das gesamte Verlagsportfolio ja bereits im Vorfeld zu polarisieren scheint. Aus dieser Masse von diskutablen Serien noch herauszustechen, zeigt, wie versiert Jason Aaron sein Treiben an der mächtigen Thor umsetzt.
Wer nun Angst hat, der echte Odinsohn würde in dieser spannenden Saga zu kurz kommen, sei beruhigt, denn Jason Aaron kündigte bereits eine zweite Serie mit dem Namen „The Unworthy Thor“ an, welche er zusammen mit Mastermind Olivier Coipel (u.a. „House of M“) umsetzen werde. Panini Comics, ihr seid würdig uns diese Serie zu bringen!

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4-Sterne

Titel: Thor Bd. 01
Verlag: Panini Comics
Format: Softcover / lim. Variant
Vö-Datum: 13.09.2016
Originalausgaben: US The Mighty Thor #01-05
Seitenzahl: 124
Autor: Jason Aaron
Zeichner: Russell Dauterman & Matthew Wilson
Preis: 14,99 € / 20,00 €

(Picture Copyright: Panini Comics)

Ihr wollt euch den gesamten Jason Aaron Run zum Thor geben? Dann müsst ihr folgende Ausgaben lesen:

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