Comic Review: Hellboy Kompendium Bd. 01 (Cross Cult)

Comic Review: Hellboy Kompendium Bd. 01 (Cross Cult)

Comic Review: Hellboy Kompendium Bd. 01 (Cross Cult)

Ja, Hellboy hat beim Cross Cult Verlag eine lange Tradition.Schließlich ist sie eine der am längsten laufenden Serien des Verlages. Und das, obwohl die Verkaufszahlen hinter anderen Titeln aus dem üppigen Verlagsprogramm etwas zurückstehen dürften. Dennoch, Qualität setzt sich manchmal einfach durch. Die Fanbase ist schließlich da, auch in Deutschland... und sie ist hartnäckig, laut und hungrig.
Ich erinnere mich noch sehr gut an daran, als ich „Saat der Zerstörung“ im Erfurter Comic Attack erstmals aus dem Regal zog. Damals noch für knappe 15,00 € Coverpreis (Erstauflage) fast ein Schnäppchen. Für einen mittellosen Studenten jedoch eine diskutable Investition. Diese Naturgewalt in schwarz-weißen Bildern ließ mich jedoch nicht los. Drei Stunden stand ich in dem Laden, bis ich mich entschied nur mit diesem Buch heim zu gehen, um ihn dort gleich zu lesen. Einen Tag später kaufte ich „Der Teufel Erwacht“.

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Szene aus „Saat der Zerstörung“ (Copyright: Cross Cult)

Seit über 20 Jahren hegt und pflegt Mastermind Mike Mignola sein Lebenswerk in Form des Hellboy-Universums. So wird es kontinuierlich über diese und jene Mini-Serie erweitert. Dutzende Spin-Offs und Titel bereichern das Portfolio mittlerweile und Cross Cult gibt sich größte Mühe dabei hinterherzukommen.
So wurde die reguläre, mittlerweile bald 15 Bände umfassende Hellboy-Reihe mit der zehnbändigen Serie zur „B.U.A.P.“, den übergroßen Bänden der „Geschichten aus dem Hellboy-Universum“, welche mehrere Spin-Off-Mini-Serien, aktuell aber auch den zweiten „B.U.A.P.“ Zyklus beherbergen sowie diverse Einzelveröffentlichungen zu „Baltimore“ oder auch „Frankenstein Underground“ angereichert.

Ein massiv dicker Back-Katalog mag man sich da zu Recht denken, was sicherlich den ein oder anderen interessierten Neuleser abschrecken dürfte. Also, wo beginnen?
Natürlich am Anfang. Und um diesen Schritt so bequem wie möglich zu machen, hat Cross Cult sich nun erbarmt, die einmaligen Geschichten des grummeligen Dämonenjungen neu aufzulegen, im größeren Format... und in Farbe (da krieg’ ich direkt Gänsehaut!).

Das Kompendium

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Szene aus „Der Leichnam“ (Copyright: Cross Cult)

Der beinahe 450 Seiten dicke Wälzer beinhaltet die ersten drei regulären Hellboy-Paperbacks „Saat der Zerstörung“, „Der Teufel Erwacht“ sowie „Sarg in Ketten“, welche bei Cross Cult ursprünglich in Band 01, 02 und 04 der regulären Hellboy-Serie erschienen.
So erleben wir in „Saat der ZerstörungHellboys Geburt und sein Aufeinandertreffen mit seinem Beschwörer Rasputin sowie die ersten Story-Fetzen zum Mythos der Ogdru-Jahad, dem kosmischen Drachen und materialisierten Bösen, das so lange schlief und nur darauf wartete, unsere Dimension zu erobern. Nichts geringeres als der Grundstein einer Legendenbildung. Wir lernen die Schlüsselfiguren der B.U.A.P. rund um Ape, Kate und Liz kennen und bezeugen Hellboys Verlust als Start einer langanhaltenden Odyssee.
So führt uns „Der Teufel Erwacht“ kurz nach dem Cavendish-Vorfall ins rumänische Hinterland, auf die Spur des tödlichen Vampirs Vladimir Giurescu und seinen verirrten Nazis aus Hitlers Okkultisten-Riege. Der erste und vor allem mehr als gelungene Versuch Mignolas lovecraftschen Horror mit osteuropäischer Folklore zu vermischen, um eine für ihn wegweisende Atmosphäre zu erzeugen.
Wobei uns „Sarg in Ketten“ auf die Reise durch mehrere Kurzgeschichten mitnimmt, die über die Jahre hinweg zum ultimativen Markenzeichen für Mignolas Arbeit, aber vor allem für Hellboy selbst werden sollten. Mit großartigen Reißern wie „Der Leichnam“, „Die Baba Jaga“ oder aber auch „Fast ein Gigant“ entführt uns Mignola für wenige Seiten in spannende Abenteuer und schlägt dabei immer wieder die Brücke zu einem stetig wachsenden Story-Kanon, in dem Hellboy letztendlich nur einen Teil des großen Ganzen darstellt.

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Der Band beinhaltet jedoch nicht nur die drei besagten Sammelbände, sondern auch die dazugehörigen Einleitungstexte wie bpsw. von Alan Moore zu „Der Teufel Erwacht“ sowie tonnenweise Bonusmaterial in Form von Skizzen und Entwürfen.

Schwarz-weiß oder Farbe?

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Ein Vergleich aus „Saat der Zerstörung“. Urpsrüngliche s/w Version zur kolorierten Ausgabe (Copyright: Cross Cult)

Als Purist der ersten Stunde... oder besser gesagt, als jemand, der Hellboy in seiner mehr oder weniger chronologischen Erzählform kennenlernte, bin ich natürlich ein großer Anhänger der ersten Schwarz-Weiß-Bände, die Cross Cult seit 2002 auf den Markt brachte.
7 ganze Ausgaben hat es gedauert, bis der Verlag das Konzept kippte und ab Bd. 08 „Die Troll-HexeHellboy letztendlich auf Farbe umsattelte. Der Mehrwert, der sich für mich aus diesem Kompendium ergibt, dürfte daher kaum zu übersehen sein.

Um es kurz zu machen: Die Kolorierung ist ein Traum. Wer die Schwarz-Weiß-Editionen kennt, bekommt nun die Gelegenheit, diese großartigen Geschichten in einem „neuen Licht“ zu betrachten, denn die Diversität in der sich Panels äußern können, scheint grenzenlos.
Man könnte Stunden damit verbringen, die Ausgaben zu vergleichen, doch zu einem entgültig Schluss über Gefallen und Nichtgefallen zu kommen, war mir nicht möglich. Auch wenn Mignolas meisterhafte Illustrationen wie für das Monochrome geschaffen zu sein scheinen, beschert die Kolorierung den Bildern einfach mehr Tiefe und Abwechslung, die in den s/w-Versionen gelegentlich verloren gingen. Und nebenbei: eine Retusche der NS-Symbolik erfolgte im Kompendium nicht (siehe Vergleichsbild).

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Kauf oder Nichtkauf, das ist hier die Frage

Reflektiere ich die zwei bis drei großartigen Nachmittage, die ich mit diesem Buch verbrachte, wird deutlich, dass die Kompendiums-Reihe bei Weitem nicht nur auf Neuleser angelegt ist. Zu gehypt, zu vertieft und zu begeistert war ich davon, diese Geschichten in pingelig geplanter Ruhe und Atmosphäre wieder einmal zu lesen.
Doch vor allem die angesprochenen Neuleser bekommen nun mit dem ersten Hellboy Kompendium die wohl beste Gelegenheit, in Mike Mignolas Heiligtum des lovecraftschen-pulpigen Fantasy-Horrors einzutauchen und einen wahren Eckpfeiler der amerikanischen Comic-Kunst kennenzulernen. Für mich die mit Abstand heißeste Comic-Veröffentlichung des Monats. Danke Cross Cult.

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5-Sterne

Titel: Hellboy Kompendium Bd. 01
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Vö-Datum: 29.09.2016
Originalausgaben: US Hellboy Vol. 01: Seed of Destruction TPB, Hellboy Vol. 02: Wake the Devil TPB, Hellboy Vol. 03: The Chained Coffin and Others TPB
Seitenzahl: 448
Autor: Mike Mignola, John Byrne
Zeichner: Mike Mignola & andere
Preis: 50,00 €

(Picture Copyright: Cross Cult / Dark Horse Comics)


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[…] der verstorbenen Ilsa Hauptstein verweilt. Ihr geliebter Vladimir Giurescu verriet ihm das. Ihr erinnert euch doch an „Der Teufel erwacht“, oder? Hellboy ist mittlerweile von der See zurück und hat sich im Haus seines alten Freundes Harry […]

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