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Comic Review: Hellboy Bd. 15 - Die Todeskarte (Cross Cult)

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Comic Review: Hellboy Bd. 15 - Die Todeskarte (Cross Cult)

Comic Review: Hellboy Bd. 15 - Die Todeskarte (Cross Cult)

Zwei Jahre nach dem Abstieg zur Hölle und einem kurzen Zwischenstopp im Jahr 1952, im vergangenen Frühjahr, erleben wir nun den Abgesang auf Mike Mignolas hauseigene Schöpfung Hellboy.
Mit dem zweiten und letzten Kapitel von „Hellboy in Hell“ soll eine Legende zu Grabe getragen werden und so wird der 15. Hellboy Cross Cult Band zwar nicht die letzte Erzählung über Big Red sein, doch immerhin das (vorerst?) letzte Kapitel seines eigenen Wirkens.

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(Copyright: Dark Horse Comics)

Fans und Leser, ob nun in der originalen Version unter dem Dark Horse Banner oder beim deutschsprachigen Traditionsverlag Cross Cult Comics, warteten gespannt auf die Auflösung des Altmeisters. Mignola, der das Zeichnen seiner Schöpfung erst in späteren Jahren seiner Karriere zögerlich aus der Hand gab, um sich lediglich auf das Schreiben zu konzentrieren, kehrte nun für die letzte Geschichte in Hellboys Leben oder besser gesagt, die letzte Geschichte aus seinem Nachleben, wieder ans Zeichenbrett zurück.

So handelt diese Geschichte vom letzten Feldzug Hellboys gegen die übermächtige Unterwelt, die er seit geraumer Zeit wie ein wandelnder Geist durchschreitet. Ein Blick zurück, wir erinnern uns, dass unser beliebtester aller Dämonen- und Monsterjäger am Ende von Bd. 12 „Der Sturm“ („Hellboy: The Storm and the Fury“) das Zeitliche segnete und seinen Abstieg in die Unterwelt begann.

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(Copyright: Dark Horse Comics)

Seit dem treibt es ihn durch die Gassen eines finsteren, heruntergekommenen Dorfes - eine symbolisierte Hölle - in der er seltsame und auch heimtückische Figuren trifft und sogar in die Mysterien seiner eigenen Herkunft blickt.
Mignola selbst plante ursprünglich die Geschichte deutlich umfangreicher aufzuziehen und Hellboy über viele Kapitel hinweg durch die Hölle wandern zu lassen. „Ja, aber im Moment fühlt es sich viel zu sehr wie das Leben an, das ich hinter mir gelassen habe.“ stellt Hellboy jedoch im zweiten Teil der vorliegenden Geschichte fest, denn sein Schöpfer merkte, dass der Zeitpunkt gekommen war, allem ein Ende zu machen.

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Nachdem Hellboy zuletzt auf recht opulente Weise Satan selbst den letzten Lebenshauch entriss, tritt Mignola beim großen Finale überraschend leise Töne an und verwebt einzelne Puzzlestücke aus Hellboys Vergangenheit äußerst subtil in denen finalen Plot.
Du willst neu anfangen? Du willst ein neues Leben ... ? Zuerst musst du das alte beenden.“ lässt ihn seine vermeintliche Frau aus vergangenen Tagen im vorletzten Kapitel der Geschichte wissen (eine lange Geschichte und seeeehr lange her).

Niemals würde Hellboy, Sohn Azzaels, sein Erbe, seine Bestimmung annehmen, wo er doch sein ganzes Leben dagegen angekämpft hatte. Sein ganzes Leben versucht hatte, diese finstere Prophezeiung nicht wahr werden zu lassen. Und so gestaltet sich dieser Moment unfassbar tiefgreifend und melancholisch, denn Hellboy erkennt, dass dies alles nur enden kann, wenn auch er zu einem Ende kommt.
In einem Medium, das nur allzu oft von opulenten Finalschlachten zehrt, fangen diese letzten, ruhigen Seiten einer tragischen Geschichte die volle Magie der Situation ein und bieten dem Helden genau die Ehre, die ihm gebührt. Und so schlendert Hellboy in wortlosen Bildern durch die Szenerie einer verlassenen Hölle, an Stränden und Galgen vorbei, ausgemergelt und erschöpft, auf der Suche nach der letzten Ruhe. In einem Landhaus angekommen, erblickt er jedoch drei fliegende Symbole... und einen grellen Blitz.

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(Copyright: Dark Horse Comics)

Einigen Hellboy-Lesern dürfte diese Symbolik recht bekannt vorkommen, stammt sie doch aus der sechsseitigen Kurzgeschichte „The Magician and the Snake“, die Mignola vor einigen Jahren zusammen mit seiner damals siebenjährigen Tochter verfasste (Die komplette Kurzgeschichte könnt ihr hier online lesen). Ähnlich wie auch „Hellboy in Hell“ thematisiert „The Magician and the Snake“ die Akzeptanz des eigenen Todes und der Sterblichkeit, auch wenn Hellboy in der vorliegen Geschichte darüber längst hinaus ist.
Und so schließt Mike Mignola den Kreis seiner eigenen, wenn auch bei Weitem noch nicht abgeschlossenen Bibliografie und zeigt seinem Hellboy, wie auch uns als Lesern, dass das Ende lediglich der Anfang von etwas Neuem ist. Seit über 20 Jahren arbeitet er an seinem „Mignolaverse“, wobei er nun den wichtigsten Protagonisten dieser Mythologie endgültig zur Ruhe bettet. Dass ihm dies in solch kraftvollen Bildern gelingen würde, hätte ich nicht erwartet. Und so erfreue ich mich in aller Schwermütigkeit an dieser Geschichte und sage: ruhe in Frieden, alter Freund. Ich freue mich darauf, dich in deiner Vergangenheit wieder zu treffen.

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5-Sterne

Titel: Hellboy Bd. 15 - Die Todeskarte
Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Vö-Datum: 22.12.2016
Originalausgaben: US Hellboy in Hell #6-10, The Exorcist of Vorsk
Seitenzahl: 144
Autor: Mike Mignola
Zeichner: Mike Mignola & Dave Stewart
Preis: 22,00 €

(Cover Copyright: Cross Cult)

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[…] hat mal ein Ende… nachdem Mike Mignola bereits den „großen Roten“ in „Hellboy in Hell“ zu Gra…, soll dies nun auch mit der B.P.R.D. (zu Deutsch B.U.A.P.) geschehen. In einem Interview mit der […]

Mike
Mike
12. Januar 2017 11:15

Klasse geschrieben. Besonders der letzte Absatz 🙂