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Comic Review: The Old Guard Bd. 01 - Erstes Gefecht (Splitter Verlag)

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Comic Review: The Old Guard Bd. 01 - Erstes Gefecht (Splitter Verlag)
© Splitter Verlag

Comic Review: The Old Guard Bd. 01 - Erstes Gefecht (Splitter Verlag)

Greg Rucka zählt für mich persönlich seit vielen Jahren zu den besten Autoren des US-Comic-Marktes. Wer dies prüfen möchte, könnte sich gegenwärtig bei den aktuellen Publikationen kaum vor Titeln seiner immer weiter wachsenden Bibliografie retten. Da bringt Panini Comics gerade endlich seine hochgelobte Reihe „Gotham Central“ erstmals auf Deutsch zum Ende, da liegt beim Splitter Verlag sein momentaner Image Comics Hit „Lazarus“ bereits mit dem fünften Band vor. Gleichzeitig können sich aber auch Superheldenfreunde an Greg Ruckas tollem Run zur themyscirischen Prinzessin „Wonder Woman“ erfreuen. Nun hat der Bielefelder Splitter Verlag wieder zugeschlagen und bringt den neusten Streich aus seiner Feder nach Deutschland, „The Old Guard“, welcher zuvor ebenfalls über Image Comics in den Staaten veröffentlicht wurde.

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Andy ist Söldnerin und zwar von der knallharten Sorte. Sie und ihr kleines Team aus eingeschworenen Gleichgesinnten nehmen nur exklusive Aufträge an... die, die sonst keiner macht. Doch was niemand zu wissen scheint: Andy und ihre Jungs sind unsterblich. Was anfänglich abgedroschen klingt, verbirgt eine faszinierende Historie von Menschen, die seit Jahrtausenden unter uns wandeln. Ohne zu wissen weshalb, sterben sie nicht oder zumindest nicht dann, wenn sie es sollten. Eine Fähigkeit, die Menschen gern ausnutzen würden, was die kleine Gruppe zur peniblen Geheimhaltung und Diskretion zwingt.
In einer immer kleiner werdenden Welt, voller technischer und kommunikativer Neuerungen und Spielereien, erweist sich dies jedoch zunehmend als schwierig. Ein neuer Auftrag rollt an, denn ein paar Mädchen sollen von einer terroristischen Miliz gefangenen genommen worden sein. Doch erweist sich dies als Falle, die ihr Jahrtausende altes Geheimnis auffliegen lassen könnte. Gleichzeitig taucht eine neue Unsterbliche auf der Bildfläche auf, die noch nichts von ihrerer Fähigkeit zu wissen scheint. Ein Wettrennen um die Zeit gegen einen noch unbekannten Feind beginnt.

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Wie wir es bereits aus seinen oben genannten Titeln kennen, konzentriert sich Greg Rucka auch diesmal wieder auf eine taffe, weibliche Protagonistin. Das Konzept des unsterblichen Helden ist dabei gewiss nicht neu, doch schafft es der Autor seinen im Hier und Jetzt angekommenen Figuren einen weitreichenden, historischen Background zu verpassen, der immer wieder mit vereinzelten Elementen in die Handlung eingewebt wird und aufgrund des Alters mancher Charaktere - teilweise über 6.000 Jahre - einen schier unerschöpflichen Handlungsspielraum zur Ausgestaltung der Figuren ermöglicht. Was macht ein Mensch, der so lange auf dieser Erde wandelt? Bei all den Action- und Spionage-Eckpfeilern, mit denen die Handlung ein nicht unerhebliches Tempo aufbaut, widmet sich Rucka immer wieder dem Verlust, den die Unsterblichkeit mit sich bringt. Zusehen zu müssen, wie Menschen, die man liebt, älter werden und sterben, während man selbst in die Ungewissheit gegenüber dem eigenen Schicksal starrt. Dies rettet die Figuren vor der drohenden Eindimensionalität und bringt den Leser dazu immer mehr über die Vergangenheit von Andy, Nicky, Joe und Booker erfahren zu wollen, die früher natürlich mal ganz anders hießen.

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Das Artwork von Leandro Fernández, den manche Leser vielleicht noch von seiner Arbeit an Garth Ennis’ „Punisher MAX“ Reihe kennen, ist ein weiterer Lichtblick des Comics. Mit imposanter Dynamik und wenig Scheu vor eindrucksvollem Minimalismus macht Fernández manchen Kollegen wie Eduardo Rizzo oder einem Mike Mignola gekonnt Konkurrenz. Dies verdankt er jedoch auch den wunderbaren Farben von Daniela Miwa, die seine Zeichnungen bisweilen regelrecht zum Leuchten bringen.
Ein beeindruckender Auftakt zu einer Serie mit viel Potential. Fans von Greg Ruckas bisherigen Arbeiten, interessierte Leser anderer Image Comics Titel oder auch einfach Freunde von tollem Artwork kommen an dieser Serie nicht vorbei. Zu einer der Gruppen dürfte ein jeder von euch gehören, also... auf, auf... „The Old Guard“ kaufen!

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