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Comic Review: Secret Empire #01 (Panini Comics)

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Comic Review: Secret Empire #01 (Panini Comics)

Comic Review: Secret Empire #01 (Panini Comics)

Viele Wochen und Monate haben deutsche Marvel-Fans auf diese Ausgabe warten müssen. Auch wenn Crossover-Events aus dem Hause Marvel einen mittlerweile eher faden Beigeschmack haben, was aufgrund ihrer utopischen Anzahl und der doch eher geringen Konsequenzen auch kaum verwunderlich ist, so wurde Nick Spencers „Secret Empire“ dann doch recht interessiert erwartet. Zumindest von mir. Denn aus einer amerikanisch-jüdischen Kultfigur wie Captain America mal eben einen Nazi zu machen, die konzeptionell alles auf rechts dreht, was im Marvel-Kosmos Kanon ist, macht zumindest erstmal... neugierig. Dass die Story in der Summe eine Parabel für unseren bedauernswerten und hier auch verdeutlicht gefährlichen gesellschaftlichen Rechtsruck ist, kann man zwar kaum übersehen und scheint selbsterklärend, doch dieses bedrückende Geschmäckle beim Lesen will einfach nicht weg gehen. Und das ist sicher auch gut so.

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Das Auftaktheft zur sechsteiligen Event-Reihe enthält neben dem Free Comic Book Day Special aus dem Jahr 2017 die Event-Kapitel zu „Secret Empire“ #0 und #01. Das von Andrea Sorrentino in üblich majestätischer Qualität illustrierte FCBD Special macht den Anfang und zeigt wie die Helden des Marvel-Universums in der scheinbar größten Krise der letzten Jahre mit dem Unvermeidlichen konfrontiert werden und den neuen, obersten Kopf der Hydra zu Gesicht bekommen, was vielen die Luft raubt. Autor Nick Spencer überspringt mit dem Special etwas an Handlung, was mit dem anschließenden Event-Kapitel Null ein paar Seiten später wieder aufgegriffen wird. Genau jenes Kapitel schließt dann folglich die Lücke zwischen Spencers bisherigen Arbeit an der „Captain America“ Solo-Serie, weshalb man dieses hier vorliegende Heft unbedingt im Anschluss an den vierten Sonderband der Reihe lesen sollte. Beginnen wir jedoch einfach am Anfang.

Alles begann in der Story „Avengers: Standoff“ („Avengers“ Heftreihe #04-08, alternativ das Paperback 03 & 04), in der die zu der Zeit noch aktive S.H.I.E.L.D. Direktorin Maria Hill den kosmischen Würfel Kobik verwendete, um mit Hilfe von Dr. Erik Selvig das Superschurkengefängnis Pleasant Hill zu schaffen, in dem Kobik es ermöglichte, den Schurken ihrer Identität, ihrer Vergangenheit und gesamten Realität zu berauben und durch ein alternatives, deutlich friedfertigeres Vorstadtleben zu ersetzen. Dies ging am Ende natürlich gewaltig schief und dummerweise hatte der Red Skull im Geheimen seine Finger im Spiel und ersetzte kurzerhand im Verborgenen die uns bekannte Realität Steve Rogers’ - der im Event aus dem gealterten Helden wieder in verjüngter Form hervorging - durch seine perverse Wunschform eines Steve Rogers als Hydra-Agenten. In der neuen, von Red Skull und Kobik geformten Realität war Steve Rogers bereits seit Kindheitstagen von Hydra indoktriniert und aufgezogen worden, um später als Supersoldat und Spion der faschistischen Organisation zu dienen. Die Geschichte dazu erzählte Spencer in Vorbereitung auf „Secret Empire“ in der aktuellen „Captain America“ Serie.

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Die ersten Kapitel des Events setzen nun dort an und zeigen, wie Steve Rogers nach seiner Machtergreifung innerhalb der Hydra-Kreise nun die Schlinge auch nach außen hin zuzieht und die Menschen und Helden, die ihn für den ehrenhaftesten von allen hielten, hinters Licht geführt hat. Die scheinbar von Hydra initiierte Invasion der Chitauri zwingt das Alpha Flight Team um Captain Marvel raus ins All, denn der installierte S.H.I.E.L.D.-Schutzschirm scheint sabotiert. Doch diese Sabotage war nur fingiert, um das Heldenteam im rechten Moment im Orbit zu halten und den Schirm dann zu aktivieren, was Carol Danvers und ihren Kollegen just vom Zugriff auf die Erde ausschloss und einer Horde angreifender Chitauri überließ. Zur gleichen Zeit kämpfen Avengers, Defenders und andere Helden in Manhattan gegen die revolutionierenden Horden der ehemaligen Pleasant Hill Gefangenen, bis Blackout die berühmte Halbinsel mal eben in die Darkforce-Dimension einhüllt und somit die zweite große Riege von Helden ausnahmslos isoliert und gefangen nimmt.
Noch vollkommen ahnungslos greift die Regierung auf das vor kurzem installierte S.H.I.E.L.D.-Gesetz zurück und überschreibt in ihrer Not alle Befehlsgewalt über Militär und Sicherheitsbehörden dem S.H.I.E.L.D.-Direktor: Steve Rogers. Ein strategisch teuflisch ausgeklügelter Plan greift mit kleinen Rädchen kontinuierlich ineinander und sorgt dafür, dass Captain America immer mehr Zügel in die Hand gegeben bekommt, was die Machtergreifung Hydras perfekt macht.

Einige Zeit später: die Helden sind gefallen oder verstecken sich im Untergrund. Hydra steht nun an der Spitze der Macht und herrscht mit eiserner Faust über die Vereinigten Staaten. Der Hohe Rat von Hydra, rund um Dr. Faustus, Baron Zemo, Madame Hydra und natürlich Captain America, bilden die neue Regierung und formen einen totalitären Staat, der Jagd auf alles macht, was nicht ins gesellschaftliche Konzept passt. Verrat wird mit dem Tod bestraft... eine Erfahrung die selbst ehemals engste Freunde machen müssen.

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Mit detaillierter Präzision hat Autor Nick Spencer einen seit Monaten aufgebauten Schlachtplan ausgespielt, der kurzerhand das gesamte Marvel-Universum eingenommen hat. Natürlich, man wusste bereits aus der Cap-Solo-Serie wo die Reise hingehen sollte, doch erwies sich die hier offen gelegte Zusammenführung der einzelnen Handlungsstränge als so gekonnt ausgeführt, dass man das 100 Seiten starke Heft bis zum Abschluss kaum aus der Hand legen konnte.
Mich irritierte anfänglich der Umstand, dass der Beginn der Story in die Kapitel Null und Eins aufgeteilt wurde und nicht direkt mit Kapitel Eins begann, was im Anschluss jedoch durchaus Sinn ergab. So wird im Kapitel Null der Fall der Helden sowie die Machtergreifung Steve Rogers geschildert und die Basis für den kommenden Status Quo gelegt, was im einige Wochen oder gar Monate später handelnden Heft Nr. 01 aufgegriffen wird, denn hier besteht bereits das totalitäre Regime von Hydra, die eine neue Gesellschaftsform gegründet hat, welche die einstigen Helden ächtet,  verfolgt und ja, auch tötet.

So diskutabel man die Entwicklung des Captain America auch sehen mag, so spannend und unterhaltsam geschrieben ist sie gleichermaßen. Der Auftakt von „Secret Empire“ erweist sich dabei als dramaturgischer Donnerhall - und den Begriff verwende ich nicht ohne Hintergedanken - der uns in den kommenden Monaten noch gewaltig beschäftigen wird. Wer bisher an der mehr als gelungenen „Captain America“ Solo-Serie Gefallen finden konnte, muss hier einfach mitlesen. Und auch die Leser, welche die Konzeption von Hydra-Cap einfach nur furchtbar finden, werden es dennoch tun... denn einfach jeder will und vielleicht auch sollte wissen, die diese Story hier weitergeht. Zwingende Empfehlung!

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Clark
Clark
20. Januar 2018 15:20

Die Handlung um Cao gefällt mir langsam wirklich, auch wenn ich seine Nazi Version überhaupt nicht mag. Aber ea ist spannend zu lesen! Freue mich auf nächste Monat!