Comic Review: Marvel Legacy Special (Panini Comics)

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Comic Review: Marvel Legacy Special (Panini Comics)

+++ SPOILER-Warnung +++

Die Besprechung enthält detaillierte Spoiler über den Inhalt des Heftes sowie auch den Ausgang des „Secret Empire“ Events!

Solch ein groß angekündigtes Kontinuitätskapitel und es ging beinahe völlig an mir vorbei. In den vergangenen Wochen wurde so einiges in Sachen Comics thematisiert, besprochen und diskutiert, doch dass bei Panini Comics dieser Tage das „Marvel Legacy“ Special erscheinen würde, war keines davon. Wo bleibt der Hype?
Was DC Comics können, kann Marvel schon lange, oder nicht? Diesen zynischen Gedanken hatte ich zumindest im Kopf, als ich vor einigen Monaten erstmals die Ankündigung zu „Marvel Legacy“ aufschnappte und sah, wie die Verantwortlichen im Haus der Ideen versuchten, das Special zu vermarkten. Nun, schlimm ist daran ja erstmal nichts, solange frischer Wind in die eingestaubte Materie kommt. Neben dem Legacy Special erschien dieser Tage auch das große Finale zu Nick Spencers kontroversem Event „Secret Empire“ und euch sei gesagt, lest dieses bitte zuerst. Ihr würdet euch mit dem Special vorab nicht nur spoilern, sondern die gesamte Basis für die hier enthaltene Story verpassen.

Doch wie soll man das Special nun für sich als Leser einordnen? Ähnlich wie auch das „DC: Rebirth“ Special soll „Marvel Legacy“ einen gewissen Wendepunkt in der Kontinuität des Verlagsuniversums liefern, der Neuausrichtungen ermöglicht. Ein Reboot ist beides gewiss nicht. Während Geoff Johns beim „DC: Rebirth“ Special die Mission verfolgte, das von ihm gelaunchte „New 52“ Universum mit der Pre-Flashpoint-Kontinuität zu verknüpfen bzw. eine Basis dafür zu schaffen, dass Elemente beider Kontinuitäten künftig ineinander übergehen können, so will Autor Jason Aaron mit dem „Marvel Legacy“ Special die aktuelle Kontinuität, gelinde gesagt, etwas aufrütteln. Die derzeitige Generation der Helden soll zu den Ursprüngen finden und wenn möglich, dafür den Nährboden für neue Geschichten mitbringen.

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Nachdem Jonathan Hickmans „Secret Wars“ bereits die Realität auf Links drehte und einen Neuanfang ermöglichte, tun es die Auswirkungen von Kobiks Würfelspielchen abermals. Der falsche Steve Rogers (Hydra-Cap) ist gefallen, Kobik hat die Realität wieder hergestellt, den echten Steve Rogers wieder zurückgebracht und die meisten Auswirkungen mehr oder weiger ungeschehen gemacht - mit gewissen Ausnahmen, wie es scheint. Damit haben wir doch gerechnet, oder?
Jason Aaron und Zeichner Esad Ribic setzen an diesem Punkt an. Die Welt ist noch immer aufgewühlt von den Ereignissen der vergangenen Monate. Die Weltbevölkerung musste mit ansehen, wie Captain America sich Captain Hydra stellte und ist noch immer verunsichert, inwieweit sie Cap nun über den Weg trauen soll.

Doch zuvor beginnt das Heft in der Steinzeit, um genau zu sein: vor 1.000.000 Jahren. Wir sehen Mjölnir auf einem Hügel liegen, während eine Gruppe unserer genetischen Vorfahren - da wir uns hier im Pleistozän befinden sollten, wäre dies wohl der Homo erectus - versuchen diesen zu heben und umgehend von einem jungen Odin verscheucht werden. Pheonix betritt das Feld und maßregelt den grimmigen Allvater, bis wir auf die Ur-Version, also besser gesagt, die Urzeit-Version der Avengers treffen, bestehend aus: Odin, PheonixAgamotto und frühe Versionen von Starbrand, Iron Fist, Black Panther und dem Ghost Rider. Zusammen stellen sie sich einem der mächtigsten Wesen des Universums: einem Celestial, welcher gerade in der Erde nach etwas zu wühlen scheint. Wir wissen, die übermächtigen Alien-Entitäten hzeichnen sich für maßgebliche Entwicklungen in der Menschheitsgeschichte verantwortlich und schufen zudem Rassen wie die Eternals. Zu sehen ist hier ein neuer Repräsentant der geheimnisvollen, uralten Rasse. Odin ist jedenfalls nicht begeistert von der Anwesenheit des hünenhaften Wesens und führt seine Avengers in den Kampf.

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Die nächste Szene zeigt die Gegenwart. Ghost Rider Robbie Reyes wird verpennt in seinem Auto geweckt. Offenbar befindet er sich nicht mehr wie vermutet in L.A., sondern in Kapstadt, Südafrika. Auf der Flucht vor der Polizei wird er plötzlich aus unerklärlichen Gründen von Starbrand angegriffen. Über das gesamte Heft verteilt, prügeln die beiden sich durch die Gegend. Starbrand versucht Reyes vor „den Gefallenen“ zu warnen und geht mit immer mehr Härte gegen den Ghost Rider vor, bis dieser seinen Strafblick einsetzt und Starbrand im Affekt tötet.
Zur selben Zeit macht Loki einige Frostriesen auf Jotunheim scharf, ihm Gefolgschaft zu leisten und sie auf eine Mission in eine geheime S.H.I.E.L.D. Einrichtung zu schicken, um eine nicht näher identifizierte Kiste zu stehlen. Wie sich herausstellt, ist S.H.I.E.L.D. gerade dabei das Areal zu räumen und alle dort enthaltenen Gegenstände nach Area 51 umzulagern. Gelabelt ist die Kiste mit der Aufschrift „4-1939“... ist dies eine Anspielung auf Namor, der seinen Erstauftritt im April 1939 in den Seiten von Motion Picture Funnies Weekly hatte? Wer weiß.

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Nun, was auch immer die Kiste enthält, wir erfahren es nicht. Noch nicht. Doch reicht der Überfall der Frostriesen aus, um die Avengers auf den Plan zu rufen und gegen den Diebstahl vorzugehen. Die mächtige Thor, (noch) Cap Sam Wilson und Ironheart kämpfen erstmals im Team. Wir sehen den geläuterten Steve Rogers der etwas ziellos auf einem Motorrad durchs Land fährt, um sich nach den Ereignissen von „Secret Empire“ wieder zu sammeln. Sein Schild hat er scheinbar im Rucksack, doch wie die Szenen in der S.H.I.E.L.D. Einrichtung zeigten, liegt dort ebenfalls ein Duplikat des Schilds. Wozu dies? Sehen wir Hydra Cap doch schneller wieder, als gedacht?
Der Odinsohn ersäuft sich in Selbstmitleid über seine Unwürdigkeit in irgendeiner Schänke auf Asgardia. Ein Gott, der die Zukunft sehen kann, springt derweil von der Regenbogenbrücke in verbitterter Verzweiflung. Er habe gesehen, dass Mangogs Ankunft bevorsteht - einer der gefährlichsten Gegner des Thor. Jason Aaron verknüpft die Handlung hier demnach mit dem Asgard/Sh’iar Krieg in seinem Run an „The Mighty Thor“.
Mary Jane Watson ist in einer Stark-Industries-Anlage in Dover unterwegs, wo scheinbar der komatöse Tony Stark gelagert wurde. Doch ist dieser auf einmal verschwunden und niemand kann sich erklären, wie dies passieren konnte.

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Deadpool darf sich mit den Früchten seiner Ermordung von Agent Coulson auseinandersetzen, während er in einer Toilettenkabine sitzt, die gerade von mehreren Cops durchlöchert wird. Die Tat scheint selbst ihm mehr zu schaffen zu machen, als all die vielen anderen Tötungen durch seine Hand. Kein Geringerer als Norman Osborn versucht derweil ein gewaltsames Eindringen in das Sanctum Sanctorum vorzunehmen, doch halten die Verteidungsmagien des Doctor Strange zu gut. Dieser tauscht übrigens gerade Traumerinnerungen über Höhlenmenschen die einen Gott ermordeten mit seinem Freund Iron Fist aus.
Die nächste Szene zeigt Jarvis und Nadia in der Avengers Mansion. Irgendetwas scheint nicht mehr mit der Avengers-Statue im Garten zu stimmen, doch Jarvis kann nicht ausmachen, was es ist. Wer genau hinschaut, sieht, dass Wasp nicht mehr auf Giant-Mans Finger sitzt und ein neues weibliches Teammitglied neben Cap und Thor steht. Ein Charakter, den wir bisher nicht sahen, wurde hier scheinbar ins Team geretcont. Doch dazu werden wir wohl erst später mehr erfahren (Klicken des Links auf eigene Gefahr).

Einer der Frostriesen scheint derweil die Flucht samt der prägnanten Kiste aus der S.H.I.E.L.D. Einrichtung gelungen zu sein. Da stehen auch schon Johnny Storm und Ben Grimm scheinbar auf dem Dach des Baxter Building und machen sich Gedanken darüber, ob sie bereits vergessen worden. Johnny feuert darauf hin die Fantasti-Flare in den Nachthimmel, die wir seit dem ersten „Civil War“ kennen dürften. Schöne Szene. Die nächste Seite zeigt das Benazhin Sternensystem - benannt nach dem früheren Herrscher von Wakanda - und das intergalaktische wakandanische Reich. Woher zur Hölle kommt das denn? Ein Überbleibsel von Kobiks Würfelspielchen? Handelt diese Szene überhaupt in der Gegenwart?

In einer Alpha Flight Weltraumbeobachtungsstation geht ein Hilferuf von Sakaar ein: der Hulk solle nach Hause kommen. Ein Verweis auf Greg Paks Klassiker „Planet Hulk“. Archäologen entdecken derweil die nicht ganz so toten Überreste des vergrabenen Celestials in Afrika - wie es scheint.

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Der fliehende Frostriese hat es aus der Anlage geschafft, nur um kurz darauf von einem heranrollenden Biertransporter überfahren zu werden. Die Cowboystiefel, die den Truck verlassen, kommen einem nur allzu bekannt vor. Snikt! und ein totgeglaubter Held scheint wieder unter den Lebenden. Die nächste Seite bestätigt dies nur, denn Jean Grey hat die Adamantiumstatue aufgesucht, in der Wolverine sein Ende fand - ihr kennt doch die Story „Der Tod von Wolverine“, oder? - doch ist diese aufgebrochen und die Leiche verschwunden. Doch wie es aussieht, gibt es gar keine Leiche, denn kein Geringerer als Wolverine erledigt den Frostriesen und plündert die geheimnisvolle Kiste mit der seltsamen Aufschrift. In ihr befand sich ein Infinity-Stein -  der Gedankenstein - auf den es Logan abgesehen hatte. Blos warum? Keine Erklärung vorerst.

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Loki muss gewusst haben, was sich in der Kiste befand. Er war selbst der Meinung, den Inhalt zu benötigen, um „die Welt zu retten“. Doch wie passt Wolverine in die Geschichte? Werden sich er und Loki bald gegenüberstehen? Haben die Ereignisse um Kobik damit zu tun, dass er wieder unter den Lebenden weilt?
Gamora spürt, dass wieder ein Stein gefunden wurde, während Loki sich damit abfindet, nicht wie geplant in den Besitz des Gedankensteins zu kommen, also macht auch er sich auf Ort des verschollenen Celestials, um einen alternativen Weg zu finden, „die Welt zu retten“.
Doch die letzten Seiten liefern das größte Comeback der Ausgabe. Wie sich herausstellt, war der Erzähler, der die ganze Ausgabe über aus dem Off die Handlung kommentierte und begleitete, eine Erzählerin und keine Geringere als Valeria Richards. Wie könnte es anders sein, dass all die kryptischen Aussagen und aufgeworfenen Fragen von dem Super-Genie im Kindskörper Valeria stammen, Tochter von Reed und Susan Richards. Zusammen mit ihrem Bruder Franklin fliegt sie auf Gleitern durchs All. Womit die Ausgabe endet.

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Ja, Jason Aaron wollte nicht kleckern sondern klotzen und mit dem „Marvel: Legacy“ Special einen besonderen Dreh- und Angelpunkt des aktuellen Verlaufs in der Kontinuität des Marvel Universums schaffen. Konzeptionell erinnert dies natürlich sehr an die „DC: Rebirth“ Initiative bei der Konkurrenz, auch wenn mit „Legacy“ für mich nicht ganz dieser Einschlag produziert wurde, denn dafür war das US-Marketing vorab zu vorlaut. Ob „Marvel: Legacy“ tatsächlich das Internet erschüttern konnte, wie das zu der Zeit noch aktive Chefredakteur Axel Alonso einst behauptete, muss wohl jeder für sich entscheiden. Genug Fragen wirft die Ausgabe jedoch auf, dass man als Leser auch die dementsprechenden Antworten haben will. Es muss nur bewiesen werden, dass diese auch adäquat erzählt werden können, denn die hier präsentierten Ereignisse sind teilweise so gewichtig, dass es schwer werden könnte ihre Hintergründe plausibel genug zu erklären, um den Verlauf nicht zu hanebüchen erscheinen zu lassen, wie bspw. die Rückkehr von Wolverine oder das Retconen der ursprünglichen Avengers mit einem gänzlichen neuen Charakter, wie es hie angeteast wurde.

Nachdem man bereits in ausladender Weise auf die Gedankenspietricks von Kobik und Hydra eingegangen ist, könnte es langsam zu grenzwertig werden, hier abermals auf einfach abgeänderte Realitäten zu setzen und dies auf den Einsatz des Infinity-Stones zu schieben, wie es einem gerade passt, damit die Kontinuität eben genau die Basis liefert, die man als Autor mal eben benötigt. Dünnes Eis also für die Autorenschaft im Haus der Ideen.
Jason Aaron macht mit seiner durchaus komplexen Handlung zumindest vorerst genug Hunger auf mehr und könnte die Kontinuität damit auch in eine spannende neue Richtung manövrieren. Letztendlich liefert „Marvel: Legacy“ die Basis für alles, was uns in der kommenden Verlagswelt erwarten wird, von Aarons Übernahme der Avengers, der Rückkehr der Fantastic Four, bis zu den bald anstehenden Storys „Infinity Countdown“ und „Infinity Wars“: hier findet dies seinen Ursprung. Da Aaron für mich aktuell zu den qualitativsten  Superheldenautoren überhaupt gehört, hege ich auch großes Vertrauen in die Zukunft, solange man dem Mann auch freie Hand lässt. Freuen wir uns einfach darauf.

Marvel Legacy Special

8

Bewertung:

8.0/10

Comic-Info

  • Verlag: Panini Comics
  • Format: Heft
  • Vö-Datum: 05.06.2018
  • Inhalt: US Marvel Legacy #01
  • Seitenzahl: 68
  • Autor: Jason Aaron
  • Zeichner: Esad Ribic, Mike Deodato Jr. u.a.
  • Preis: 5,99 €
  • Picture Copyright: Panini Comics / Marvel
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Passionierter Fanboy, Comic-Nerd & -Blogger.


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Greifenklaue
Gast
Greifenklaue

Mein Schwager hat es sich geholt und will darin weiterlesen, gibt es da denn einen zweiten Band oder fließt das in die regulären Serien ein?

NortenCologne
Gast
NortenCologne

War für mich auch eins der besseren Marvel Kapitel der letzten Monate. So darfs weitergehen! 🙂

Mike
Gast
Mike

War ein geiles Heft. Ich hoffe sehr, dass das davon ausgehende Potenzial auch genutzt wird. Freue mich auch sehr auf Infinity Countdown!