Comic Review: Batman - Der Weiße Ritter (Panini Comics)

Comic Review: Batman - Der Weiße Ritter (Panini Comics)

Mit „Batman: Der Weiße Ritter“ bringt Panini Comics in diesem Monat einen Band, auf den heimische DC- und Batman-Leser nicht nur lange gewartet haben, sondern aufgrund dessen bereits panisch dürstend vor den Comicshops kauerten, um die Ausgabe endlich in die Finger zu bekommen.

Comiczeichner und -autor Sean Murphy ist hierzulande vor allem für seine Arbeit an Titeln wie The Wake mit Autor Scott Snyder oder auch Mark Millars „Chrononauts“ bekannt, mit welchen er mehrfach beweisen konnte, was für ein herausragendes Talent er hinter dem Zeichenpult ist.

Im Jahr 2017 begann er dann mit der Veröffentlichung einer achtteiligen Mini-Serie für DC Comics, welche seine Version des berühmten Vigilanten aus Gotham City präsentieren sollte. Als dann im letzten Jahr die gesammelte Ausgabe von „Batman: White Knight“ für den US-Markt erschien, klatschte DC Comics dem Band mal eben noch das „DC: Black Label“ Logo aufs Cover und machte die Story rückwirkend zum ersten Titel des noch immer recht beschwerlich anlaufenden Erwachsenen-Labels von DC Comics.

Sei’s drum. Die relevanten Trademarks des weitestgehend eigenständigen und vornehmlich an erwachsene Leser gerichteten Contents erfüllte der Comic schließlich problemlos. Dennoch, den Lesern konnte es ohnehin egal sein, denn Presse wie auch Fans überschlugen sich bereits vor der hochtrabenden Etikettierung ob der Qualität dieser Story, welche diesmal gänzlich aus der Feder Murphys stammte, der sich lediglich für die Koloration den Veteranen Matt Hollingsworth zur Seite holte.


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Seit vielen Jahren inszeniert sich Batman als Beschützer von Gotham. In Konflikten mit Superschurken, in denen das GCPD mit ihren herkömmlichen Mitteln oder auch aufgrund ihrer mehr als korrupten Infrastruktur nichts mehr entgegen zu setzen haben, erscheint Batman auf der Bildfläche und rettet den Tag.

Doch jede Medaille hat Kehrseiten und Batman hat sich nicht nur Freunde in seiner Stadt gemacht, die unter den ständigen Auseinandersetzungen mit Verbrechern wie Two-Face, dem Pinguin oder auch Killer Croc zu leiden hat.

Als eines Tages der Joker - alias Jack Napier - zu einem neun Streich ausholt, bricht dieser in eine scheinbar nicht wirklich offizielle Lagerhalle ein, die noch weniger offizielle pharmazeutische Substanzen beinhaltet, die, so scheint es, den Joker vor seinem Wahnsinn retten könnten.

Als Batman Napier vor laufenden Kameras in seinem Eifer halbtot prügelt, ist dies die Gelegenheit für einen ehemaligen Verbrecher, Geisteskranken und auch Mörder die schwindende Zustimmung für Gothams Dunklen Ritter zu nutzen und selbst zum Held der Stadt zu werden. Doch auf eine ganz andere Weise, denn Gotham braucht keine Fledermaus mehr, sondern lediglich einen Weißen Ritter...

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Wie eingangs erwähnt, sorgte Murphys abgeschlossener Comic in den Staaten für einige Furore, wobei manche sogar soweit gingen und „Batman: White Knight“ als eine der besten Batman Storys der letzten Jahre betitelten. Und in der Summe kann ich dieser Auffassung eigentlich nur zustimmen.

Sean Murphy setzt seine Geschichte außerhalb jeglicher regulärer Kontinuität an - quasi im Stil der klassischen Elseworld-Storys - was ihm eine Menge Freiheit und Möglichkeiten bietet. Sicherlich auch ein Grund, warum DC Comics die Story nachträglich zu einem „DC: Black Label“ Titel machte.

Ohne eine penetrante Präsentation aufzubauen, konstruiert er seinen sozialpolitischen und gesellschaftskritischen Plot als direkte Hommage an die Welt des Dunklen Ritters und verwurstet tonnenweise Elemente des hinlänglich bekannten Franchises.

Ob nun die Verwendung des Namens Jack Napier - wir wissen, der reale Name des Jokers ist selbst heute nicht bekannt, lediglich in diversen Formaten erhielt er tatsächlich einen realen Namen. Wie bspw. in Tim Burtons „Batman“ Film aus dem Jahr 1989, in dem Joker vor seiner Verwandlung eben den Namen Jack Napier trug.

Darüber hinaus sieht man immer wieder Anspielungen auf die komplexe und vielschichtige Historie Batmans, ob nun das 1960er Batmobil oder auch siverses Merchandise, Poster bis hin zu Batman-Lego-Spielfiguren und einer Harley Quinn im Bruce Timm Design. All dies verarbeitet Murphy jedoch so dezent, dass es zum einen zur Handlung passt und zum anderen nie aufgesetzt wirkt.


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Murphy dekonstruiert das Konzept Batman als Helden eines Selbstjustiz ausübenden Vigilantentums und zeigt die Problematik von Bruce Waynes Feldzug gegen das Verbrechen auf - die fehlende Kontrolle und die Gefahr sich darin verlieren zu können und selbst zum Verbrecher zu werden.

So entsteht quasi ein vollkommen gegenteiliger Ansatz, als ihn Frank Millers „The Dark Knight Returns“ verfolgte, in welchem Batman nach vielen Jahren außer Dienst wieder ins Cape schlüpfte, um dem im Verbrechen versinkenden Gotham aber auch der lokalen Justiz mit voller Härte entgegen zu treten. Der anarchische Amarican Way, für den ein Künstler wie Frank Miller bekanntermaßen steht.

Während Miller die Selbstjustiz als plausibles Mittel zum Zweck unterstrich, zeigt Murphy in seiner Geschichte die Gefahren auf und verwebt dies mit durchaus reellen Ansätzen, wie bspw. ein finanzstarkes Establishment, dass aus Batmans Auseinandersetzungen Kapital mit steuerfinanzierten Immobiliengeschäften schlägt.

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Ähnlich wie Miller - aber vielleicht auch als direkte Hommage daran - nutzt Murphy polarisierende Pressestimmen, welche das Geschehen im Comic von konservativer wie auch linksliberaler Seite kommentieren.


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Neben dem konzeptionellen Ansatz von Batman als Vertreter der Selbstjustiz thematisiert Murphy vor allem die Beziehung zwischen dem Joker und Batman selbst sowie auch Jokers Persönlichkeitsstörung und seinen inneren Kampf gegen den Wahnsinn. Dabei entsteht ein überaus interessanter Dreiklang zwischen Bruce, Napier und auch Harley Quinn, welchen ich in der Form bisher nicht gelesen habe.

Joker als geläuterten Irren, der mit seiner Vergangenheit zwar abschließen, sich jedoch nicht an seine Gräueltaten - wie bspw. die vermeintliche Ermordung von Jason Todd - erinnern will oder kann, verschafft der Handlung eine recht intensive Dynamik, welche Napier Stück für Stück als zentrale Figur der Geschichte inszeniert.

Dabei fungiert Batman eher weniger als Person oder Charakter, sondern vielmehr als Institution bzw. Sinnbild einer archetypischen Bewegung von Vigilanten. Das wirft einen frischen Blick auf die alteingesessene Thematik eines Batman Comics, obwohl letztendlich wiederkehrende Motive verwendet werden.

So hinterfragt Murphy das Konzept Batman als Ganzes, jedoch ohne eine wirkliche Antwort zu liefern, was letztendlich auch kaum das Ziel gewesen sein dürfte. Vielmehr schärft es den Blick des Lesers auf eher sonst schier „normal“ dargestellte Aspekte eines Superheldencomics und kratzt damit empfindlich am Heroismus der Figur.

Darüber hinaus sieht der Comic auch noch fantastisch aus. Murphys düstere und teils grob skizzierten und dennoch detailliert wirkenden Zeichnungen sind so charakteristisch wie die Figuren der Handlung und werden von Hollingsworth’ finsteren Farben toll ergänzt. Das Artwork tarnsportiert durchweg dichte Atmosphäre und liefert alle 8 Kapitel der Geschichte wie aus einem Guss.

So bleibt nichts anderes übrig, als „Batman: Der Weiße Ritter“ als Pflichtprogramm für alle Batman-Leser und darüber hinaus zu klassifizieren, denn abgeschlossene Geschichten diesen Formats liest man definitiv zu selten. Hier vereint sich gekonnter Fan-Service mit einer mehr als spannenden Geschichte zu einem Comic, den man gelesen haben sollte.

Batman - Der Weiße Ritter

9

Bewertung:

9.0/10

Comic-Info

  • Verlag: Panini Comics
  • Format: Softcover / lim. Hardcover
  • Vö-Datum: 26.03.2019
  • Seitenzahl: 220
  • Autor: Sean Murphy
  • Zeichner: Sean Murphy
  • Preis: 22,00 €
  • Picture Copyright: DC Comics

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Vincisblog
Gast
Vincisblog

Für mich gibt es eigentlich nur 2 Dinge zu bemängeln. Das eine ist die Elseworld Thematik, die gerade an einer Stelle scheinbar keinen Grund hat. Damit meine ich die Reihenfolge der Robins, sie wird hier geändert, eine Auswirkung ist nicht vorhanden. Etwas zu ändern nur damit es anderes ist, ist mir zu wenig.

Der andere Punkt ist das die Geschichte richtig stark beginnt, aber gegen Ende kaum noch was zu erzählen vermag (liegt aber wohl mehr am sehr guten Start).

Dennoch ein sehr guter Batman Comic!

Rincewind0815
Gast
Rincewind0815

Damned und Der weisse Ritter. Wochenende nede gerettet.
Vorfreude enorm.

gambit_sw
Gast
gambit_sw

Super Review, vielen Dank! Ich warte bereits auf die Lieferung des Comics!!! 😀

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