Comic Review: Doomsday Clock Bd. 1 (Panini Comics)

Comic Review: Doomsday Clock Bd. 1 (Panini Comics)
© DC Comics

Ganz ehrlich? Vor „Doomsday Clock“ hatte ich gewaltig Angst. Nicht nur weil ich ein großer Fan von Alan Moores und Dave Gibbons’ Überwerk „Watchmen“ bin - wer halt auch nicht? - und daher befürchtete, dass DC Comics sich hier lediglich am Melken eines großen Namens versuchen würde. Sondern auch deshalb, weil selbst ein talentierter Autor wie Geoff Johns sich an einem solchen Projekt verheben könnte, was seiner Reputation sicherlich nicht gut getan hätte.

DC Comics vergriff sich bereits vor einigen Jahren mit den „Before Watchmen“ Mini-Serien an der Welt von Rorschach und Doctor Manhattan, was schon im Vorfeld bei Fans des Originalstoffs weniger gut ankam, letztendlich jedoch einige Leser für sich gewinnen konnte. Zumindest in Teilen.

Als der Verlag dann das Verschmelzen der Welt der Watchmen mit der Kontinuität des uns bekannten DC-Universum ankündigte, war das für den US-Comicmarkt schlicht erst einmal eine kleine Sensation.

Wie sollte schließlich Alan Moores thematischer Abgesang auf den Superheldencomic mit eben diesen Themen zusammenkommen, wenn Moore mit seiner Geschichte und seinen Figuren eben genau jenes Genre ins Visier und in die Kritik nahm?

Wir sollten es mit der nun auch im Deutschen gestarteten und auf insgesamt 12 Teile angelegten Mini-Serie erfahren, welche Panini Comics ab diesen Monat in 4 Bänden abdrucken wird. Während die Reihe in de USA noch läuft, erschienen nun die ersten 3 Kapitel im vorliegenden Sammelband.


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In der Welt der Watchmen hat sich die Uhr weitergedreht und wir schreiben das Jahr 1992. Während vor gut 7 Jahren nach Ozymandias’ tückischem Plan einer vorgetäuschten Alien-Invasion die Welt scheinbar alle Streitigkeiten beseitigen konnte und Kriege, Kampfhandlungen und Konflikte beendet wurden, um sich mit geeinten Kräften einer neuen Situation zu stellen, hat man Jahre später mit Rorschachs Tagebuch den eindeutigen Beweis dafür gefunden, dass der ominöse Angriff nur eine Farce des klügsten Mannes der Welt war, welche just zum meist gesuchten Mann der Welt wurde.

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Das politische Klima fiel in alte Gewohnheiten zurück, der Kalte Krieg wurde wieder in Gang gesetzt und die Fronten zwischen den USA und Russland werden um jeden Zentimeter umkämpft.

Als Russland dann auch noch zur Provokation in Polen einmarschiert, droht der dritte Weltkrieg, denn die USA stellen ein Ultimatum, dass die Russen zum unmittelbaren Abzug zwingen sollen. Willigen sie nicht binnen vier Stunden ein, soll ein atomarer Erstschlag seitens der Staaten erfolgen, weshalb die US-Regierung vorsorglich beginnt, aus Sorge um russische Gegenmaßnahmen, bestimmte Zonen innerhalb des Landes zu evakuieren.

Die Weltuntergangsuhr führt somit ihre letzten Sekundenschläge aus, doch gibt es noch immer einige Wenige, die Hoffnung haben...Hoffnung, all den Schrecken rückgängig machen zu können und dafür nur den einen Gott ausfindig machen müssen, der dazu imstande sei.


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Geoff Johns und Gray Frank setzen ihre Story inhaltlich als direkte Fortsetzung des Originalwerks an, was man als durchaus ambitioniert bewerten könnte. Dabei erzählen sie jedoch in einem überaus erfrischenden Ton, der nicht im Ansatz den der ursprünglichen Story aufgreift, aber dies scheinbar auch nie beabsichtigt hat.

Vielmehr werden die bekannten Charaktere des „Watchmen“ Comics als Stilmittel eines klassischen Superheldenkrimis eingesetzt, wobei man als Leser schnell das Bedürfnis verliert, die neue Erzählung überhaupt mit dem legendären Comic aus den 80ern vergleichen zu wollen. Und das ist gut so, denn konzeptionell gehen beide Werke in gänzlich unterschiedliche Richtungen - obwohl es hier sehr stimmig in Einklang gebracht wird.

So werden aus den uns bekannten, klassischen Superheldencomics familiär wirkende Kniffe angewandt, um totgeglaubte Charaktere wieder in die Handlung einzubetten, wobei vor allem die ersten Kapitel dazu dienen, die Welt des „Watchmen“ Comics weitestgehend hinter sich zu lassen und in die Realität der DC-Helden zu übertragen. Und genau darin liegt ja auch der Reiz der Geschichte, wenn ein Rorschach auf Batman trifft, oder Lex Luthor auf Adrian Veidt.

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So konzentriert sich die Handlung im ersten Band der Serie vornehmlich um den Aufbau des anstehenden Plots, macht das jedoch mit genügend erzählerischer wie auch optischer Atmosphäre, dass man den Comic kaum vor Abschluss aus der Hand legen mag.


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Dass Gary Frank ein sensationell guter Zeichner ist, wird ihm auch nach „Doomsday Clock“ sicher immer noch niemand streitig machen können, denn das Artwork ist absolut high class und verneigt sich dank des durchexerzierten 9-Panel-Grids selbsterklärend vor Dave Gibbons’ Arbeit im Originalcomic.

Ich hatte vorab von der Serie wenig erwartet, doch musste ich sie mir aufgrund der einschneidenden Relevanz für die kommende DC-Kontinuität einfach auf die Agenda setzen. Was ich dann bekam, war ein brachial gut erzählter wie auch optisch erstklassig umgesetzter Superheldencomic, der bewusst gewillt ist, mit uns bekannten Charakteren zu spielen und womöglich künftig auch Grenzen auszuloten.

Wie bereits eingangs erwähnt, scheint die Prämisse von „Doomsday Clock“ anders als bei „Watchmen“ zu liegen. Während Moore und Gibbons einen selbstdefinierenden und vor allem selbstreflektierenden Beitrag zum Genre lieferten, wollen Johns und Frank einfach eine spannende Geschichte erzählen, die unterhalten soll.

Wenn man als Leser diese Abstraktion im Vorfeld vornehmen kann, wird man mit diesem Comic gewaltig Spaß haben, denn so gut erzählte Geschichten, bekommt man bei DC Comics momentan leider nicht wie am Fließband.

Doomsday Clock Bd. 1

9

Bewertung:

9.0/10

Comic-Info

  • Verlag: Panini Comics
  • Format: Softcover / lim. Variants
  • Vö-Datum: 02.04.2019
  • Seitenzahl: 108
  • Autor: Geoff Johns
  • Zeichner: Gary Frank
  • Preis: 13,99 €
  • Picture Copyright: DC Comics

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Orang Utan Klaus
Gast
Orang Utan Klaus

Liest sich vielversprechend. Das Zusammentreffen der Welten war der Grund, weshalb ich zum Rebirthstart wieder bei DC eingestiegen bin; hatte allerdings einen Rohrkrepierer erwartet. Schön, dass es scheinbar nicht so gekommen ist. Nun muss ich das Heft gleich zur Hand nehmen, denn obwohl es schon seit ein paar Tagen hier liegt, ließ mich mein mulmiges Gefühl bisher daran vorbei greifen.

Hangover
Gast
Hangover

Ich würde unbedingt 10/10 geben. Solch gut gemachte Comics sind leider äußerst rar in der meist recht vordergründen, naiv-bunten Blockbuster-Spektakelwelt von DC

Monstrum
Gast
Monstrum

Ich würde der Geschichte sogar eine 10 geben , eine echt positive Überraschung .

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