Comic Review: Die lebende Tote (Splitter Verlag)

Comic Review: Die lebende Tote (Splitter Verlag)
© Splitter Verlag

Welch unerwartete Entdeckung, denn die Veröffentlichung von Olivier Vatines und Alberto Varandas Comic „Die lebende Tote“ beim Bielefelder Splitter Verlag ging erst gänzlich an mir vorbei.

Das Stöbern im Verlagskatalog schaffte Abhilfe, Interesse und auch jüngst eine kleine Erleuchtung, denn verdammt... dieser Comic ist gut. „Aquablue“ Schöpfer Vatine und „Die Legende der Drachenritter“ Zeichner Varanda legen mit dem Comic einen auf 72 Seiten abgeschlossenen Genre-Mix vor, welcher in vielerlei Hinsicht punkten kann. Doch dazu später mehr.

Interessant ist vorab auch, dass der Comic zusätzlich als limitierte Sonderausgabe in gänzlich schwarz-weiß gehaltenen Zeichnungen veröffentlicht wurde, sprich: ohne Kolorierung. Ein eleganter wie auch kostspieliger Ausreißer, denn die edle VZA kommt knapp vier mal so teuer um die Ecke.


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Eine postapokalyptische Zukunft. Die Erde ist nahezu unbewohnbar geworden und dient lediglich noch als Fundort technologischer Errungenschaften einer beinahe vergessenen Gesellschaft. Die Menschheit hat sich derweil auf den Mars zurückgezogen und lebt dort unter strengen Doktrinen.

Martha und ihr Vertrauter Alex verdingen sich als Schmuggler und plündern den verrohten Planeten, der einst die Heimat der Menschen darstellte. Es gibt schließlich noch immer viele Gutbetuchte auf dem Mars, die viel Geld für fast vergessenes Wissen aus der „alten Welt“ zu zahlen bereit ist. Als Marthas Tochter bei einer der Bergungsaktionen ums Leben kommt, ändert sich jedoch alles.

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In einem verlassenen Schloss in den Pyrenäen hat sich Martha zurückgezogen, von wo aus sie ihr Schmugglerimperium koordiniert und befehligt. Besonderes Interesse hat sie jedoch nun am Biologen Joachim Bostrom gefunden, der auf dem Mars lebend bereits bei den dortigen Offiziellen aufgrund seiner extravaganten Forschungen in Ungnade gefallen ist.

Joachim soll ihr helfen, alles wieder zu richten und ihr und ihrer Tochter eine zweite Chance zu geben. Ohne dabei zu ahnen, welche Büchse der Pandora sie damit öffnen könnte.


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Einen beachtlichen Genre-Potpourri, in inhaltlicher wie auch visueller Hinsicht, legen Vatine und Varanda mit „Die lebende Tote“ vor, der von Sci-Fi-Endzeitszenarien über Steampunk-Visualistik bis hin zum Kratzen an „Mary Shelley’s Frankenstein“ Konzept reicht.

Nehmen sich die beiden Macher anfänglich Zeit, um dem Leser die abstrakte neue Welt in groben Zügen näher zu bringen und dabei mit altgedienten Schemata zu spielen, dreht sich die Handlung in der zweiten Hälfte des Bandes in einen düsteren, klaustrophobischen Lovecraft-Horror, der vor allem von seinen freizügigen visuellen Flächen lebt und regelrecht Beklemmungen aufbaut.

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Alberto Varandas herausragende Zeichnungen tragen die Atmosphäre tief ins Mark des Lesers und wissen vor allem in den finsteren Passagen zu überzeugen, bei denen kein Schwarz dem anderen gleicht. Lange hat man Finsternis nicht mehr so lebendig illustriert erlebt.

Ein intensiver Genre-Comic, der stilsicher inszeniert wird und dabei die Spannung bis zum Anschlag treibt. Darüber hinaus laden nicht nur die Zeichnungen zum Entecken ein, was dem Comic einen weiteren Mehrwert verleiht. Zwingende Empfehlung!

Die lebende Tote

9

Bewertung:

9.0/10

Comic-Info

  • Verlag: Splitter Verlag
  • Format: Hardcover
  • Vö-Datum: 22.05.2019
  • Seitenzahl: 72
  • Autorin: Olivier Vatine
  • Zeichnerin: Alberto Varanda
  • Preis: 18,00 €
  • Bilder: Splitter Verlag

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Sascha
Gast
Sascha

In der Tat, sehr empfehlenswert! Ich habe mir doch tatsächlich die Diamant-Edition gegönnt, die zwar unangenehm teuer ist, in der aber Varandas Schraffurtechnik exzellent zur Geltung kommt!

Rincewind0815
Gast
Rincewind0815

Na dann vielen Dank„ kann ich mir dann jetzt auch noch kaufen.
🤡

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