Comic Review: Heroes in Crisis #1-4 (Panini Comics)

Comic Review: Heroes in Crisis #1-4 (Panini Comics)
© Panini Comics

Kaum ein Comic hat in den vergangenen Monaten so viel Aufmerksamkeit und gleichermaßen Hass und Missgunst auf sich gezogen, wie Tom Kings und Clay Manns DC-Event-Story „Heroes in Crisis“.

Weil manche sich mit dem darin beschriebenen Handlungsverlauf so quer stellten, erhielt der Autor sogar Morddrohungen aus den Leserkreisen. Ja, Fandom kann zum Kotzen sein.

King ist nicht nur seit seiner Arbeit an der alle zwei Wochen erscheinenden „Batman“ Reihe umstritten - die ich bekanntermaßen sehr mag. Zweifellos verdient der Mann seit überragenden Geschichten wie „Vision“ oder auch jüngst „Mister Miracle“ Aufmerksamkeit und stets offene Ohren, doch konnten viele Leser in jüngerer Vergangenheit mit seinen kontinuierlich erscheinenden Storys nicht sonderlich viel anfangen.

Seine angekündigte Mini-Serie, welche posttraumatische Belastungsstörungen der uns bekannten DC-Helden beleuchten sollte, wurde dementsprechend bereits vor dem Erscheinen kritisch beäugt.

Nun wurde die Reihe in vier Heften auch bei Panini Comics abgeschlossen und ich habe mir die Ausgaben in den vergangenen Tagen am Stück gegeben und habe durchaus ein noch immer hin und hergerissenes Bild von dem Gelesenen.


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Mit dem Sanctuary haben sich die Helden des DC-Universums einen geheimen Rückzugsort geschaffen, um sich von den traumatischen Ereignissen ihrer Heldentätigkeiten erholen zu können. Um den Seelenfrieden wieder aufzubauen und sich mental für die immer wieder auftreten Gräuel der Schlachtfelder zu wappnen.

So ein Heldendasein ist schließlich nicht einfach und der Normalbürger unter uns hat sich sicher noch nie wirklich Gedanken gemacht, wie Batman, Wonder Woman und Co. mit den üblichen Katastrophen ihrer Alltäglichkeiten zurechtkommen.

So fungiert das Sanctuary als eine Art Safe-House, in dem sich die Helden auslassen können, um zu reden und zu heilen. Nichts wird aufgezeichnet, kein Dritter hört zu. Der jeweilige Held ist allein für sich und kann über alles sprechen was ihm beliebt.

Doch eines Tages geschieht das Undenkbare und ein Mörder schlägt an diesem der Öffentlichkeit eigentlich verborgenen Ort zu, wobei viele der uns liebgewonnenen Helden ihr Leben lassen müssen.

Batman, Superman und Wonder Woman machen sich umgehend auf den Weg, um herauszufinden, was genau geschehen ist und nehmen eine Spur auf, die sie zu keinem Geringeren Booster Gold und der stets durchgedrehten Harley Quinn führt.


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Spoiler? Aber sowas von. Hier nur weiter für Leser, die die Story kennen, oder denen es egal ist.

Als Mitarbeiter der CIA war Autor Tom King vor vielen Jahren im Irak stationiert, um dort Soldaten für einschneidende Situationen in Kampfhandlungen zu trainieren. Will heißen: der Mann kam aus beruflichen Gründen unlängst in Kontakt mit Menschen, die an posttraumatischen Störungen aufgrund ihrer Einsätze zu leiden hatten, wenn er nicht sogar selbst solche Erfahrungen machen musste.

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King wollte mit „Heroes in Crisis“ dieses bis dato im Superheldencomic nicht wirklich behandelte Thema mit seiner Geschichte aufgreifen und zu einem wirklichen Diskussionsgegenstand machen. Wie gehen Helden mit ihren Erfahrungen um? Wie erleben und verarbeiten sie ihre Traumata, die sie aus ihren Einsätzen gegen Superschurken, Aliens und Wahnsinnige jeden Tag mit nach Hause nehmen?

Die Prämisse des Comics ist daher nicht nur interessant, sondern vor allem auch erfrischend geschickt gewählt, da sie ungeheuerliches Reflektionspotential liefert und die Helden einmal mehr mit menschlichen Problemen konfrontieren lässt.

Das Problem von „Heroes in Crisis“ ist jedoch nicht der Aufhänger der Story, sondern die Ausführung, welche bereits zu Beginn nicht wirklich durchdacht schien. Ein ums andere Mal wurde die Story verlängert und Ausgaben hinzugefügt, die vom Grundkonzept her überhaupt nicht angedacht waren.

Dies wirkt zwar nur bedingt problematisch, da es generell üblich ist, dass Story-Konzepte erst während der Ausarbeitung wirklich Form annehmen und Autoren oft Ausgaben anfügen oder gar weglassen, um ihre Geschichte genau auf den Punkt zu bringen.

Doch machte sich hier beim Lesen immer wieder der Eindruck breit, dass King nicht wirklich wisse, wie er mit der Geschichte ans geplante Ziel komme und die Handlung Ausgabe um Ausgabe streckte, um irgendwie an jenem Punkt anzukommen, den er sich als Höhepunkt ausmalte. Der Weg dahin gestaltete sich jedoch so steinig und gar konstruiert, dass der Gesamteindruck der Story mehr als getrübt wird.


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King verheddert sich in der Ausgestaltung und zwingt der Handlung ein Korsett aus Mystery-Thriller und groß angelegter Heldencharakteristik über, die weitreichende Folgen für das weitere DC-Universum haben solle.

Dass nun ausgerechnet Wally West der geheimnisvolle Übeltäter gewesen sein soll, ließ viele Fans aufstoßen, doch schien dies für mich nicht die eigentliche Krux an der Story zu sein. Vielmehr ist es das nicht wirklich durchdachte Anhängsel der Geschichte, was das Handeln der Figur weitestgehend out of character wirken lässt.

Wie sich herausstellt, ermordete Wally seine Freunde in einer Affekthandlung, einem Moment der fehlenden Kontrolle über seine Kräfte. Ein Unfall, wenn man denn so will. Doch handelt der vermeintliche Held im Anschluss wie ein berechnender Mörder, der seine Fähigkeiten der Beweisanalyse dafür nutzt, um gekonnt seine Spuren zu verwischen und sogar zwei vollkommen Unbeteiligten die Schuld in die Schuhe zu schieben.

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Das Scheitern der Geschichte liegt demnach nicht in dem ohnehin schon konstruiert und wenig glaubhaften Unfall, der zum Tod vieler Helden führte, sondern im Handeln Wallys im Anschluss dessen, was eine bis dato ungeahnte Seite der Figur offen legte. Dies kann man nun gutheißen, oder auch nicht.

Doch der Umstand, dass es eben Wally West war, der mit der „DC: Rebirth“ Initiative seine große Rückkehr ins DC-Universum feierte und kontinuierlich als geheimer Dreh- und Angelpunkt des Geschehens rund um den „Flashpoint“ und all den geheimen Mächten, die im Hintergrund wirken, aufgebaut wurde, lässt diese Geschichte hier nun nicht nur schlecht getimt wirken, sondern beinahe vollkommen deplatziert.


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So sehr ich Charakterentwicklungen und Plot-Twists liebe, wirkt die Erzählung in der Summe einfach zu unrund und der Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht wirklich angemessen. Zumindest im großen Kontext all dessen, was neben „Heroes in Crisis“ gerade sonst noch bei DC Comics erzählt wird.

Das macht die Geschichte etwas unbequem, letztendlich aber nicht gänzlich unlesenswert. Vor allem die vielen Charaktermomente dazwischen liefern einen gewissen Mehrwert, die wiederum Kings Stärke für Figuren aufzeigen. Momente, die man bei vielen Figuren lange nicht in der Form erlebt hat.

Auch optisch erzeugen Künstler wie Clay Mann, Mitch Gerads oder auch Jorge Fornes mehr als starke Bilder und bewältigen die holprige Erzählung in reinster Blockbuster-Optik, die man sich immer wieder gern anschauen wird.

Es bleibt eine optisch starke und inhaltlich gut gedachte Prämisse, die aber mit zu vielen Ecken und Kanten ausgeführt wurde, dass sie sich in einen vergleichbaren Kontext wie Kings anderweitigen Arbeiten hätte einreihen können.

Dennoch stellt „Heroes in Crisis“ ein ziemliches Muss für DC-Leser dar, denn die Vorkommnisse in der Handlung sind zu gravierend, um sie nur aus dem Hörensagen her beurteilen zu können. Ein zwiespältiges, aber dennoch lesenswertes Ereignis.

Heroes in Crisis #1-4

6

Bewertung:

6.0/10

Comic-Info

  • Verlag: Panini Comics
  • Format: Heft
  • Vö-Datum: 06-11/2019
  • Seitenzahl: je 52-84
  • Autor: Tom King
  • Zeichner: Clay Mann u.a.
  • Preis: je 4,99 € / 6,99 €
  • Bilder: Panini Comics

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Sir Deca
Gast
Sir Deca

Die Story geht weiter mit „Flash Forward“. Ein weiterer 6Teiler, derzeit bei #3. da wird Wally West nochmal breitgewalzt.

Hangover
Gast
Hangover

Ich finde auch, dass diese Serie recht holprig dahin stolpert. Tom King hat halt ein Janusgesicht: Miracle Man und Vision ganz famos, aber leider auch bei Batman immer wieder mal sehr verschwurbelt oder Protagonisten out of character. Finde ich sehr schade, da manche Stories richtig ärgerlich sind mit ihrem (vermeintlich) anintellektualisierten Gepränge...

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