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Comic Review: Captain America - Steve Rogers Bd. 01 (Panini Comics)

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Comic Review: Captain America - Steve Rogers Bd. 01 (Panini Comics)

Comic Review: Captain America - Steve Rogers Bd. 01 (Panini Comics)

Eine denkwürdige Ausgabe... na ja, zumindest eine, auf die viele deutsche Marvel-Leser zitternd gewartet haben. Schließlich ging der drastische Turn, den der neue „Captain America“ Autor Nick Spencer (u.a. „Ant-Man“) mit Steve Rogers hier vollzog, umgehend durch die Medien.
Die Kritik und das Entsetzen über die von ihm forcierte Entwicklung des legendären Supersoldaten war bereits nach der ersten Ausgabe so groß, dass Spencer sich bis heute immer wieder in Social Media Kanälen mit Lesern und Nicht-Lesern seiner Arbeiten herumschlagen muss. Polarisieren kann der Mann demnach offenkundig.

++++ SPOILER-Warnung++++

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So... wir gehen jetzt alle mal davon aus, dass jeder von euch in den letzten Monaten die „Avengers“ und die dort erzählte Story Standoff! gelesen hat. Demnach wissen wir, dass SHIELD-Oberhaupt Maria Hill mit Hilfe eines kosmischen Würfels ein Superschurken-Gefängnis errichtete, welches den Schurken ganz stepford-like eine alternative Realität vorgaukelte, um diese, ohne es zu merken, quasi aus dem Verkehr gezogen wurden. Natürlich konnte solch ein Vorhaben auf lange Sicht nur scheitern, jedoch wurde dem einstigen Captain America Steve Rogers im Zuge der dadurch entstandenen Katastrophe durch eben jenen kosmischen Würfel, der übrigens Kobik genannt wird, seine alte Stärke und Jugend wiedergegeben werden. Steve Rogers ist also zurück in Uniform... und Nick Spencer setzt mit seiner neuen Serie genau an diesem Punkt an.

Wir erfahren, dass diese Katastrophe bereits auf lange Sicht vom Cap-Erzfeind Red Skull genau so geplant war. Wir erfahren, dass der Skull schon lange vor SHIELD die unvorstellbare Macht Kobiks ganze Realitäten zu manipulieren zu nutzen lernte und sie bereits einsetzte, ohne, dass es bemerkt wurde. Denn nicht nur Wissenschaftler Erik Selvig steht schon lange gegen seinen Willen im Dienste des fiesen Nazis, sondern auch...

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Was ne Bombe, hm? Ich muss zugeben, ein wirkliches Urteil über die Qualitäten der Story zu fällen, ist nicht sonderlich einfach. Das letzte Panel des ersten Heftes (hier drüber zu sehen) ließ mich den Band beinahe wutschnaubend in die Ecke feuern. Nach all den Jahren, nach all den verwobenen Kontinuitäten soll der Ur-Held in Reinform ein verdeckter Hydra-Agent sein? Nun, Nick Spencer ist kein Idiot und langjährigen Marvel-Lesern solch einen Schmarn verkaufen zu wollen, bedarf einiger Taschenspielertricks und Hintertürchen, die Spencer folglich gleich mit der nächsten Ausgabe preisgibt.
Dass Cap nun eben nicht schon immer ein Agent der Nazi-Terror-Organisation war, sondern, dass Kobik im Auftrag des Skulls die Realität samt Caps Vergangenheit einfach so veränderte, dass er ein Agent gewesen wäre, nimmt dem Leser zwar umgehend den faden Beigeschmack, diese Erkenntnis in weit über 50 Jahre Kontinuität einbetten zu müssen, raubt auf der anderen Seite jedoch auch den Nervenkitzel, eben weil deutlich wird, dass es sich nur um einen temporären Umstand handele. Dass Cap dann auch in dieser veränderten Realität, die ihn als Hydra-Agenten versteht, bereits wieder unter Gewissensbissen leidet und im Geheimen gegen seinen Führer vorzugehen scheint, gibt der Sache dann noch den Rest. Der mir prophezeite Out-Of-Character-Eklat blieb für mich demnach aus.

Das ist in der Summe jedoch halb so wild, denn Spencers „Captain America: Steve Rogers“ erweist sich dennoch als spannende und lesenswerte Story und bewegt sich auf einem ähnlichen Niveau, wie seine bisherigen Arbeiten, ohne dabei an Brubakers Spionage-Storys heranzukommen. Mit lakonischem Witz und vielen Anspielungen auf gegenwärtige politische Begebenheiten - eine hier dargestellte Rede des Red Skull hätte auch gut und gerne letzten Montag so auf einem Marktplatz in Dresden gehalten werden können - geben der Story einen recht frischen Anstrich und erzeugen genügend Spannung, dem Plot auch weiter folgen zu wollen. Ich bleibe gespannt.

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4,5-Sterne

Titel: Captain America - Steve Rogers Bd. 01
Verlag: Panini Comics
Format: Softcover / lim. Variant
Vö-Datum: 18.04.2017
Originalausgaben: US Free Comic Book Day 2016 (Steve Rogers), Captain America: Steve Rogers #01-03, Captain America: Sam Wilson #07 (II)
Seitenzahl: 100
Autor: Nick Spencer
Zeichner: Jesus Saiz
Preis: 12,99 € / 16,00 €

 

(Cover Copyright: Panini Comics / Marvel)

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[…] Autor Nick Spencer führt seinen indoktrinierten Star-Spangled-Banner-Helden auf neue Pfade, welche die Leserschaft zuletzt recht schockiert zurück ließen. Wer Marvel momentan mehr oder weniger intensiv verfolgt, hat mitbekommen, dass parallel einige […]