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Marvels PR-Debakel geht weiter: „Die Leser wollen keine Vielfalt mehr“, „Marvel hat zu viele Charaktere verändert“, „Zeichner sind kein Garant mehr für gute Verkaufszahlen“

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Marvels PR-Debakel geht weiter: „Die Leser wollen keine Vielfalt mehr“, „Marvel hat zu viele Charaktere verändert“, „Zeichner sind kein Garant mehr für gute Verkaufszahlen“

Marvel PR-Debakel geht weiter: Das Marvel Retailer Summit

Dieses Wochenende wird für Marvel noch lange in Erinnerung bleiben. Ausnahmsweise wurde zum „Marvel Retailer Summit“, bei dem sich für gewöhnlich der Verlag hinter den verschlossenen Türen der Marvel Büros mit den Händlern austauscht, Presse-Vertreter zugelassen.
ICv2 hatte die Möglichkeit über die dort intern besprochenen Themen zu berichten. Nur offenbar war dies Marvel Chief Editor Axel Alonso und Senior Vice President of Sales David Gabriel nicht so wirklich bewusst. Denn die redeten im Günther-Oettinger-Style „frei von der Leber“, was sie im Nachhinein sicherlich gern gelassen hätten.

Erst gestern berichtete ich darüber, dass für David Gabriel die „Limited-Series ein Todesstoß“ sei und es für ihn rein logisch wäre, dass Marvel Serien regelmäßig ge-relaunched werden, um mit neuen Nr. 01 Ausgaben die Verkaufszahlen zu pushen. Nun ließ Gabriel auch Worte zum Thema Vielfalt in den Marvel Comics fallen und gab an, dass sich die Vorlieben der Leser in den letzten Jahren gewandelt hätten und sie einfach keine Vielfalt mehr wollen.

Ein Auszug aus dem Interview im Wortlaut:

Frage von ICv2: „Viele Vorlieben scheinen sich gewandelt zu haben, denn manche der Sachen die ihr in der Vergangenheit gemacht habt, scheinen nicht wirklich angenommen worden zu sein. Ist euch das ausgefallen oder verstehen wir da was falsch?“

David Gabriel: „Nein, ich denke nicht. Ich weiß nicht, ob die Vorlieben der Leser in den letzten drei Jahren wirklich mit allem mitgegangen sind, was wir versucht haben umzusetzen bzw. mit den neuen Charakteren, die wir ansetzten. Entweder verkauften sie sich einfach nicht oder, wie du schon sagtest, wandelten sich die Vorlieben.“

Gegen manche der Dinge, die wir in den vergangenen drei Jahren erfolgreich gebracht haben, gab es einigen Widerstand, wodurch das weitere Umsetzen nicht länger möglich war. Wir haben das registriert und mussten darauf reagieren.“

Frage von ICv2: „Nun die Eine-Million-Dollar-Frage: Warum haben sich die Vorlieben der Leser eurer Meinung nach geändert?“

David Gabriel: „Ich weiß nicht, ob das wirklich eine Frage für mich ist. Ich denke, das solltest du lieber die Händler fragen, die auch alle anderen Publisher im Blick haben. Was wir gehört haben, war, dass die Leser einfach keine weitere Vielfalt mehr wollen. Sie wollen einfach keine weiteren weiblichen Charaktere mehr da draußen. So haben wir das zumindest gehört, ob wir es nun glauben oder nicht. Ich weiß nicht, ob dies wirklich wahr ist, aber so lässt es sich von den Verkaufszahlen ablesen.“

Wir haben uns die Zahlen all dieser „mannigfalteren“ Charaktere angeschaut, jeden Charakter der neu war, unsere weiblichen Haupt-Charaktere, jeden der kein Ur-Marvel-Charakter war... die Leser haben sich davon abgewandt. Das war schwierig für uns, denn wir hatten viele frische, neue und wirklich spannende Ideen, welche wir versucht haben umzusetzen und keine von diesen Ideen funktionierte wirklich.“

Es waren die klassischen Elemente die zurückkamen und funktionierten. Drei Bücher im Speziellen: „Spider-Man Renew Your Vows“, das „Venom“ Buch und „Thanos“. Diese Bücher funktionierten.“

Ironisch anzumerken sei an dieser Stelle, dass das Fortune Magazine zu selben Zeit Marvels Push zur Vielfalt und Diversität lobte, während Marvel selbst offen angab, dass sie mit der Vielfalt ihrer Charaktere keine Comics mehr verkaufen würden.

Im weiteren Gesprächsverlauf tauschten sich Alonso und Gabriel über die Wiedereinführung von originalen Marvel-Charakteren aus.

So sagten Gabriel und Alonso im Wortlaut:

Gabriel: „Unser Feedback war, dass wir zu viele Charaktere verändert haben.“ [...] „Doch wir haben unsere klassischen Figuren nicht aus den Augen verloren.“ fügte Alonso hinzu.

Alonso: „Wir haben eine Phase der Popkultur durchwandert, in der (und ihr habt das ebenso mitbekommen, wie wir) massiv über Inklusion und Vielfalt diskutiert wurde. Es war ein großes Thema bei den Academy Awards, was sich auch durch unsere Kultur zog, durch Disney, quasi überall.“

Alonso: „Bei Marvel geht es jedoch nicht im Politik. Wir erzählen Geschichten über die Welt. Ich denke, wir sind eine Erweiterung dessen, was Stan (Anm. Emu: Stan Lee) machte. Worauf wir uns konzentrieren, ist, Geschichten aus der heutigen Zeit zu erzählen. Das ist das Wichtigste überhaupt.“

Ob die beiden Herren mit diesen Aussagen ihrer eigenen PR-Abteilung wirklich einen Gefallen getan haben, sei mal dahingestellt. Schauen wir uns lieber an, was Axel Alonso noch an Wertschätzung für die Zeichner seines Verlages übrig hat:

Axel Alonso im Wortlaut:

Es gibt deutlich weniger Zeichner, die Verkaufszahlen beeinflussen können, als Autoren. Und sie sind deutlich schwerer zu bewerben. Es gibt keine Instanz mehr dafür. Es gibt kein Wizard Magazine mehr, welches dir verrät, wer die angesagten Top-10-Künstler da draußen sind. Das gibt’s einfach nicht mehr. Wir können unsere Zeichner so sehr hypen, wie wir wollen, doch ich weiß nicht, wie viele Zeichner, mal abgesehen von vielleicht McNiven oder Coipel, wirklich etwas ausmachen, wenn es um die Zeichnungen geht.“

Wenn man bedenkt, dass Alonso hier vom Medium Comic spricht, sind seine Aussagen schon recht... sagen wir, markant.

Dies blieb natürlich nicht ohne Reaktion. Die geringe Wertschätzung der Künstler bei den beiden zentralen US-Comic-Verlagen war bereits Anfang der 1990er Jahre ein großes Thema. Was dazu führte, dass sich eine ganze Armee von Kreativen von Marvel und DC Comics trennte, um den heute mehr als renomierten Image Comics Verlag zu gründen (Gott sei Dank, ist das passiert!).

Erik Larsen, seines Zeichens Schöpfer von Savage Dragon und Mitgründer von Image Comics, meldete sich nach einem darauf bezogenen Tweet von Black Widow Zeichner Chris Samnee auch prompt zu Wort:


(Picture Copyright: Marvel)

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12 Kommentare
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[…] war dazu Marvel Chefredakteur C.B. Cebulski. Bezugnehmend auf den Eklat aus dem Jahr 2017, als Senior Vice President David Gabriel die zugenommene Diversität bei den Marvel Charakt…, stellte Cebulski seinen Standpunkt zur Diversität in den Comics sehr deutlich […]

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[…] Ruf bezüglich ihres Umgangs mit den für den Verlag beschäftigten Autoren und Zeichnern ist bei Weitem nicht gerade der beste. Zu viele Künstler haben sich in den vergangenen Monaten... und ja, auch in den vergangenen Jahren […]

trackback

[…] Statt sich u.a. an Kinder gerichtete Comic-Titel von Rüstungskonzernen featuren zu lassen, sollte sich Marvel vielleicht etwas mehr mit geeigneten PR-Strategien beschäftigen. Das Jahr 2017 wird diesbezüglich gewiss nicht als das glorreichste Jahr in die Marvel-Annalen eingehen. […]

Hal_Jordan
Hal_Jordan
2. April 2017 19:50

Dann bin ich mal gespannt, was sie als nächstes auf der Pfanne haben. Alte Leser gewinnen sich nicht von allein zurück.

Leif12
Leif12
2. April 2017 12:53

😀 großes kino! 😀

MightyMarc
MightyMarc
2. April 2017 12:40

Alonso hat wirklich verstanden, wie man Künstler an sich bindet. FAIL!

Nico
Nico
2. April 2017 12:29

Ich mag die aktuelle Ausrichtung eigentlich sehr. Abgesehen von Peter Parker. Der ist mir zu sehr Tony Stark Kopie :/

Alfred P.
Alfred P.
2. April 2017 12:25

Wurde auch Zeit. Dann man vielleicht endlich wieder ein paar Serien von denen lesen!!!

Trickster
Trickster
2. April 2017 11:48

Hat da mal wieder der gute Ike seine Finger im Spiel?

Amazing Peter
Amazing Peter
2. April 2017 11:45

Das kommt davon wenn man sich intern nicht abspricht 😀 Wie kann man sich immer wieder nur selbst so die Beine stellen?

ComicBookGuy
ComicBookGuy
2. April 2017 11:41

Wtf? Was geht denn bei denen ab?

NTH
NTH
2. April 2017 12:25
Antwort auf Kommentar von  ComicBookGuy

Marvel halt. 🙁