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Comic Review: Descender Bd. 03 - Singularitäten (Splitter Verlag)

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Comic Review: Descender Bd. 03 - Singularitäten (Splitter Verlag)

Comic Review: Descender Bd. 03 - Singularitäten (Splitter Verlag)

Das kanadische Autorentalent Jeff Lemire sowie der Zeichenvirtuose Dustin Nguyen erzählen ihren Ausname-Comic „Descender“ weiter, so dass der Bielefelder Splitter Verlag den mittlerweile dritten Band der Space-Opera vorlegt. Nach „Maschinenmond“ stehen uns nun die „Singularitäten“ bevor, wobei Lemire mit seinem neusten Streich tief in die Vergangenheit seiner Protagonisten eintaucht und nach einem actiongeladenen Vorgängerband die Story nun etwas handfester voranzutreiben gedenkt. Und auch dies scheint ihm abermals mit Bravour zu gelingen...

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Im Zentrum der Geschichte steht noch immer der künstlich erschaffene Androide TIM-21, der ursprünglich, also vor dem großen Krieg mit den Harvestern, als familiäre Ergänzung zu dienen hatte. Doch der Krieg machte alles anders. Die Angst der Bevölkerung vor den Maschinen und künstlichen Intelligenzen ist ungebrochen und so befindet sich das augenscheinlich letzte Modell der TIM-Serie auf der Flucht. Doch nicht alle Menschen sehen eine Bedrohung in den Maschinen, weshalb sich Widerstand bildete. TIM-21 musste feststellen, dass er nicht der Letzte seiner Art war, doch sehr sich er und sein vermeintliches Brudermodell auch gleichen, so unterschiedlich sind ihre Charaktere. Während TIM-21 in einem behüteten Umfeld „aufwuchs“, musste TIM-22 in einem gewalttätigen Haushalt aufwachsen, der ihm nur Schmerz und Leid einbrachte. Und dies formte den Geist des mechanischen Jungen, was ihn nun außer Kontrolle geraten lässt.

Wie bereits angesprochen, ändert Lemire de Prämisse seiner Erzählung mit diesem Band und arbeitet vornehmlich mit Flashbacks bzw. Szenen aus der Vergangenheit, welche die Hintergründe seiner Figuren ausleuchten sollen. Dies geschieht so konventionell wie effektiv, was den Charakteren zugutekommt und ihnen mehr Glaubwürdigkeit verleiht. Dabei verpasst er nicht abseits der Figuren ein definierteres Gesamtbild der gesellschaftlichen Struktur seiner Welt aufzubauen und seine Erzählung merklich zu vergrößern, ohne sie zu verkomplizieren. Neben den bereits bekannten Charakteren bildet vor allem Dustin Nguyens Aquarell-Zeichnungen die wesentliche Konstante des Comics, welche zu jedem Zeitpunkt so funktionieren, wie sie bezweckt gewesen zu sein scheinen.

Descender“ bleibt gewohnt qualitativ und anspruchsvoll, ohne dabei den Charme der letzten beiden Bände einzubüßen. Eine starke Serie, eines starken Teams, welche aufgrund der an Philip K. Dick erinnernden Metaebenen nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch Reflektion einlädt. Eine der aktuell besten Serien im Splitter Verlag.

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4,5-Sterne

Titel: Descender Bd. 03 - Singularitäten
Verlag: Splitter Verlag
Format: Hardcover
Vö-Datum: 01.03.2017
Originalausgaben: US Descender #12-16
Seitenzahl: 120
Autor: Jeff Lemire
Zeichner: Dustin Nguyen
Preis: 22,80 €

(Cover Copyright: Splitter Verlag)

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[…] denn die Bielefelder lassen regelrechte Comic-Highlight regnen. Das Package besteht aus je 1x „Descender“ Bd. 01 von Jeff Lemire, 1x „Black Science“ Bd. 01 von Rick Remender und […]

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[…] denn wenn es um aktuelle US-Indie-Comics geht, steht „Lazarus“ Konkurrenten wie Lemires „Descender“ oder auch Vaughans „Saga“ qualitativ in nichts […]