Interview: Peter Mennigen und Ingo Römling - im Gespräch mit den Machern von „Malcolm Max“

Interview: Peter Mennigen und Ingo Römling - im Gespräch mit den Machern von „Malcolm Max“

Interview: Peter Mennigen und Ingo Römling - im Gespräch mit den Machern von „Malcolm Max“

Erst vor einigen Wochen besprach ich den, untertrieben gesagt, mehr als gelungenen ersten dreibändigen Zyklus der Comic-Serie „Malcolm Max von Peter Mennigen und Ingo Römling, da nehmen sich die beiden Ausnahmekünstler tatsächlich die Zeit und stellen sich meinen bescheidenen Fragen für ein Interview.
Herausgekommen ist dabei ein längeres, interessantes Gespräch über die Entstehung der Serie, das Schreiben und Zeichnen von Comics, die deutsche Comic-Szene und vieles mehr.
Daher setzt den Kaffee auf, schmeißt euch auf die Couch und lest die Worte zweier Talente, die wissen, wie der Hase läuft.

Emu: Hallo ihr zwei, vielen Dank, dass ihr euch die Zeit nehmt. Könnt ihr uns kurz mitteilen wo ihr euch gerade befindet und wie es euch aktuell geht?

Ingo: Hallo Emu! Gern, danke der Nachfrage. Mit geht‘s soweit prima. Ich sitze grade in meiner Lieblingsbäckerei mit meinem iPad. Der Sommer ist vorbei, draußen ist es kühl und grau, aber neben mir steht eine leckere Tasse Kaffee. Nachher geht‘s aber zurück an den Zeichentisch... und du so?

Peter: Ich tippe mir gerade daheim die Finger an meinem Keyboard wund. Neben der Fertigstellung eines Skriptes für Panini steht heute noch die Arbeit an einem neuen Projekt auf dem Plan, was sich erfahrungsgemäß als ein spannender, aber auch anstrengender Prozess erweisen wird.

Emu: Ich sitze gemütlich auf der Couch, lasse Musik durch die Kopfhörer rauschen und trinke Tee zum Aufarbeiten dieses Interviews. Also recht entspannt. Fangen wir an. Der dritte „Malcolm Max“ Band ist nun ein paar Monate draußen, wie habt ihr die Resonanz auf die Veröffentlichung wahrgenommen?

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Peter Mennigen beim Signieren (Copyright: Peter Mennigen)

Ingo: Sehr positiv! Ist ja jetzt schon wieder fünf Jahre her seit Band 1... die Resonanz ist eigentlich ausschließlich positiv.
Anfangs wurde bei uns die Textmenge kritisiert, es ist einfach ne Menge zu lesen, was hier und da immer noch für Skepsis sorgt. Vielleicht sollte ich da nochmal kurz drauf eingehen, weil ich doch ab und zu drauf angesprochen werde: Wow, toller Comic, aber sorry, viel zu viel Text, warum so viel Text und so weiter.
Die Antwort ist super simpel: Das nun einmal die Art, wie wir unsere Geschichte erzählen. Wenn man sich Klassiker wie „Blake und Mortimer“ anschaut, dann kann man das durchaus vergleichen von der Textmenge her. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, es wirkt altmodisch, aber es passt zu „Malcolm Max“. Ich habe in Polen auf dem Comicfestival in Lodz ein Gespräch mit Paul Tobin (u.a. „Bandette“, „Prometheus“, „The Witcher“) gehabt, er vertrat denselben Standpunkt: Warum nicht Comics machen, in denen es etwas mehr zu lesen gibt?

Peter: Ich muss gestehen, dass ich mit so viel positivem Feedback für Band 1 bis Band 3 nicht gerechnet hatte. Bei der Konzeption der Alben stand bei Ingo und mir ja nicht der kommerzielle Aspekt im Vordergrund. Um einer breiten Masse zu gefallen, hätte ich die Texte in den Storys ansonsten knapper, simpler und leichter konsumierbar gehalten.
Malcolm Max“ zielt auf eine Leserschaft ab, die sowohl eine gewisse Sprachästhetik, als auch leisere Zwischentöne zu schätzen weiß. Umso größer ist natürlich die Freude, dass „Malcolm Max“ inzwischen zu den Bestsellern unter den Splitter-Titeln zählt. Und falls jemand meint, die Textmenge sei ein Kriterium, um einen Comic zu bewerten, der sollte sich mal die von Stan Lee geschriebenen „Spider-Man“-Titel, oder die „Avengers“ von John Byrne ansehen.

Emu: Ja, das Problem, welches viele Leser mit zu viel Texten in Comics haben, scheint weit verbreitet. Ähnliches Musste sich Alan Moore bereits zu „Watchmen“ oder aktuell auch „Providence“ anhören, als er seitenweise Texte in die Handlung integrierte. Dass man Comics manchmal auch lesen muss, scheint viele immer noch zu überraschen. Mal insgesamt betrachtet, seid ihr zufrieden was die Fertigstellung des ersten Zyklus betrifft? Ist der langgefaste Plan in eurem Sinne aufgegangen?

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Ingo Römling bei der Arbeit (Copyright: Ingo Römling)

Ingo: Ja, es klappt alles eigentlich ziemlich gut. Und wir sind immer noch überwältigt, dass Splitter mit uns eine Luxusausgabe zum 10-jährigen Verlagsjubiläum gemacht hat. Das war von uns, also Peter und mir, so nicht geplant. Es ist komplett irre! Viel mehr kann ich eigentlich nicht sagen. Peter denkt und plant bereits Jahre im Voraus, ich bin eher der Typ, der in seiner Höhle in der Gegenwart lebt und seine Seiten zeichnet, eine nach der anderen. Hahaha.

Peter: Unsere Erwartungen wurden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Nicht im Traum hätte ich daran gedacht, dass „Malcolm Max“ eine so große Leserschaft gewinnt. Oder dass der Comic auch im Ausland veröffentlicht wird und dort inzwischen Fans hat. Was den von Ingo angesprochenen Sonderband betrifft, der ist natürlich die Krönung des Projektes.
Zwar hatten wir relativ früh erfahren, dass Splitter die Publikation von zehn Sonderbänden plant, aber wir hätten niemals zu hoffen gewagt, dass „Malcolm Max“ eine solche Ehre zuteilwerden würde. Dirk Schulz (Mitgründer des Splitter Verlages, Anm. Emu) informierte uns wenige Tage vor dem Drucktermin, dass „Malcolm Max“ zu den auserwählten Werken gehört. Da waren Ingo und ich zunächst mal platt. Sowieso muss man an der Stelle hervorheben, dass Delia, Horst und Dirk vom Splitter Verlag uns und „Malcolm Max“ immer unglaublich engagiert unterstützt haben.

Emu: Ich habe die drei Bände vor kurzem am Stück gelesen und hatte, beim dritten Band angekommen, schon das Gefühl, dass nicht nur zeichnerisch eine Entwicklung zu beobachten war, sondern auch sprachlich. Seid ihr der Meinung, dass euch die Arbeit an „Malcolm Max“ auch als Künstler voran gebracht hat? Was habt ihr über euch selbst dabei gelernt?

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Cover des ersten „Malcolm Max“ Bandes (Copyright: Splitter Verlag)

Ingo: Zeichnerisch finde ich schon, dass ich mich weiter entwickelt habe, danke für das Kompliment. In meinen Augen unterscheidet sich der erste Band vom dritten total. Als ich mit „Malcolm Max“ angefangen habe, war ich noch sehr unsicher. Das war mein erstes Album, ich hatte noch nie so viel Comic auf einmal gezeichnet und ich hatte auch mal kurz die Hosen gestrichen voll, nachdem das unter Dach und Fach war, so mit Vertrag und allem, das geb‘ ich ehrlich zu.
Ich hatte echte Bedenken, ob ich das durchhalte, ob ich die Qualität halten kann, ob ich die Deadline schaffe. Ich war damals ein großer Fan von Mike Mignola, von der Art, wie er mit Schwarz umging und dadurch - durch Dunkelheit - Licht erzeugte. Auch von seinem reduzierten, kantigen Stil. Ich dachte mir, ich muss jetzt auch total ökonomisch arbeiten und Zeit sparen und so.
Also fing ich an zu zeichnen und hab mich dabei auch von seinem Stil beeinflussen lassen, ganz reduziert, kontrolliert, viel Schwarz. Aber in den darauffolgenden Jahren habe ich gemerkt, dass sich meine Arbeitsweise und auch mein Verhältnis zum Zeichnen verändert hat. Im Herbst 2015 hatte ich zum Beispiel einen Monsterjob reinbekommen, da habe ich in knapp 2 Monaten 64 Seiten Comic gezeichnet, rough pencils. Das hieß mindestens 2 Seiten pro Tag, besser 3, weil ja auch Korrekturen kommen... und Schlafen und Essen muss man ja auch noch. Und dann noch „Star Wars Rebels“, an denen ich damals ja auch schon regelmäßig zeichnete. Und „Malcolm Max“!
Klingt verrückt, aber irgendwie bekam ich es halbwegs gebacken. Ich wurde schneller, routinierter, das kam von ganz alleine. Ich musste einiges von meinen Perfektionsansprüchen ablegen, dazu war schlicht und einfach keine Zeit. Und der Witz ist, das Artwork wurde trotzdem besser. Wo ich früher eine langsame und kontrollierte Linie gezogen habe, mache ich jetzt drei schnelle. Klingt vielleicht komisch, aber ich habe, was die Detailliertheit meines Artworks angeht, mittlerweile sogar noch ne Schippe draufgelegt.

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Peter: Grundsätzlich entwickelt man sich in Ingos und meinem Job immer weiter. Wir sind wie die Haifische: Wenn wir uns nicht mehr bewegen, sind wir tot. Man lernt permanent dazu, sei es von Kollegen, oder durch eigene Fehler. Was die drei „Malcolm Max“ Bände betrifft, so habe ich die Exposés für alle Alben in einem Stück hintereinander geschrieben, um einen dramaturgischen Bogen über die gesamte Story spannen zu können. Zwischen der Ausarbeitung der einzelnen Skripte für Band zwei und drei lagen dann allerdings ein paar Jahre. Mit so einem zeitlichen Abstand fiel schon der eine oder andere Handlungsstrang weg, oder wurde durch eine neue Fassung ersetzt.
Das ist ein ganz normaler Prozess. Beim Schreiben des Skripts probiere ich gern neue oder ungewöhnliche Sachen aus. Wobei vor allem die Texte in den Boxen und die Dialoge eine enorme Herausforderung darstellen. Denn die sollen in erster Linie eins: Den Leser unterhalten.
Was ich während der Arbeit an den drei Alben über mich gelernt habe? Dass ich wie Ingo offenbar eine masochistische Ader besitze. Obendrein ist da noch diese kleine Stimme in meinem Kopf, die mich permanent antreibt, mich nie mit dem Geschriebenen zufrieden zu geben. Beispielsweise hatte ich vor etwa einem Jahr eine Szene für das vierte „Malcolm Max“ Album geschrieben, die formal vollkommen in Ordnung war. Die Handlung, die Dialoge, alles war bestens.
Dennoch störte die kleine Stimme in meinem Kopf etwas daran und ließ mir deswegen keine Ruhe. Und dann, vor ein paar Wochen, hatte ich so etwas wie einen kleinen Geistesblitz: Vom Sprachlichen mochte bei der Szene alles bestens sein, aber nicht vom Gestalterischen. Deswegen verlegte ich die Handlung in ein Umfeld, das optisch mehr hergab und das parallel zu der textlichen Erzählebene eine bildliche Handlung ermöglichte, was dem Ablauf eine zusätzliche Komponente verlieh.

Emu: Was war für euch der schwerste Part an der Entwicklung des Comics und was ging dabei am leichtesten von der Hand?

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Szene aus „Malcolm Max“ Bd. 01 (Copyright: Splitter Verlag)

Ingo: Am schwersten war für mich Anfangs der Umgang mit Architektur und Hintergründen. Ich hatte mich immer, wie übrigens viele Comiczeichner, immer auf Charaktere konzentriert. Ich finde nur, wenn man nicht genügend Mühe auf Perspektive, Hintergründe und Szenerien verwendet, sieht eine Comicseite schlicht und einfach unbefriedigend aus.
Oh Mann. Ich hab es gehasst am Anfang, Häuser, Fenster, Bäume... aber mittlerweile macht mir das richtig Spaß, Szenarien zu zeichnen, für meine Figuren eine hübsche Bühne zu bauen, Gardinen aufzuhängen und ein paar Pflanzen hinzustellen. Am leichtesten... hm.
So richtig leicht ist eigentlich nichts, aber die Hauptfiguren habe ich mittlerweile ganz gut drauf, denke ich.

Peter: Zunächst einmal war es schwierig einen Comic zu entwickeln, der sich in seiner Machart von der Masse abhebt. Ich will jetzt nicht so vermessen sein und sagen: etwas, was es so noch nicht gab. Aber der Comic sollte den Leser schon mit etwas überraschen, womit er nicht unbedingt gerechnet hatte. Dämonenjäger gibt es ja wie Sand am Meer und deren Gegnerschaft ist in dem Genre literarisch auch schon so ziemlich in allen Facetten abgegrast worden. Also suchte ich bei „Malcolm Max“ einen anderen Ansatz, um der Serie einen unverwechselbaren Charakter zu geben.
Der schwierigste Teil ist dabei die Umsetzung des Exposés als Skript. Wobei vor allem die scheinbar kleinen und unspektakulären Szenen relativ schwierig zu schreiben sind. Sie mögen zwar verzichtbar erscheinen, was die Haupthandlung betrifft, doch geben solche Szenen viel über Charakter und Persönlichkeit der Protagonisten preis. Am einfachsten ist vielleicht die Entwicklung des Exposés mit der Hauptstory. Weil man da mit Handlungselementen spielen und auch etwas rumspinnen kann, ohne sich wie im Skript konkret festlegen zu müssen.

Emu: Die Geschichte lebt von der Eigenart und Charakterisierung der Figuren. Stand es für euch von Anfang an fest, mit „Malcolm Max“ deutlich über das reine Grusel-Genre hinausgehen zu wollen und wie wichtig war euch das Einbinden der literarischen wie auch historischen Querverweise?

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Szene aus „Malcolm Max“ Bd. 02 (Copyright: Splitter Verlag)

Ingo: Ich finde es schwer zu definieren, was das „reine Gruselgenre“ eigentlich sein soll. „Malcolm Max“ enthält Horror-Elemente, das stimmt, aber es ist auch ein Krimi, denn es finden Verbrechen statt, die aufgeklärt werden müssen. Und es ist Steampunk, weil wir Maschinen mit menschlichen Gehirnen haben. Und es ist Komödie und auch ein bisschen Trash, weil sich „Malcolm Max“ einfach nicht so ernst nimmt. Ich weiß nicht, was es nun eigentlich ist. Ich glaube, wir versuchen einfach, eine spannende Geschichte zu erzählen.

Peter: Ingo trifft es genau. Und in der Interviewfrage selbst wird auch schon das wichtigste Element einer „Malcolm Max“ Geschichte genannt: Die Eigenarten der Charaktere stehen dabei im Vordergrund. In meiner Vergangenheit habe ich einfach zu viele so genannte Grusel-Comics geschrieben, um jetzt noch einen weiteren in dieser Machart zu schreiben. Irgendwann merkt man, dass sich in den Geschichten alles mehr oder weniger wiederholt.
Deswegen steht bei „Malcolm Max“ der Horror auch nicht an erster Stelle, sondern der möglichst originelle Umgang der Protagonisten mit Herausforderungen. Was die historischen Personen betrifft, so dienen sie zum einen dazu, die Geschichten in einen realeren Kontext zu bringen. Für mich ist die Einbeziehung historischer Personen auch eine Referenz an diesen Persönlichkeiten, vor denen ich den Hut ziehe, wie zum Beispiel vor der unglaublich couragierten Journalistin Nellie Bly (eine berühmte Investigativ-Journalistin aus dem späten 19. Jahrhundert, Anm. Emu).

Emu: Habt ihr bereits Pläne zur Weiterführung der Serie?

Ingo: Ja, Peter und ich, wir haben da so ein paar Sachen in der Pipeline, über die ich aber noch nicht allzu viel erzählen möchte.

Peter: Ingo arbeitet am vierten Album, das Skript für das fünfte Album ist ebenfalls schon fertig. Wann die Alben erscheinen, wissen wir noch nicht. Ingo hat ja auch noch andere Verpflichtungen. Und sollte der geneigten Leserschaft gefallen, was wir da in Band vier und fünf mit so viel Herzblut zaubern, besteht kein Grund, warum die Reihe danach nicht fortgesetzt werden sollte.

Emu: Ingo, du bist abseits von „Malcolm Max“ noch an vielen weiteren Projekten beteiligt, bspw. den „Star Wars Rebels“ oder auch deine Arbeiten an Designs für Plattencover. Woran arbeitest du aktuell?

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„Tunes for my Santiméa“ von Snakeskin (Copyright: Hall Of Sermon)

Ingo: Ich habe tatsächlich schon angefangen, an „Malcolm Max“ Band 4 zu zeichnen. Die Geschichte wird diesmal in zwei Bänden abgeschlossen sein, die Skripte sind schon fertig. Aber im Vordergrund stehen momentan wieder die „Rebels“, die Kolorierung ist gerade abgeschlossen und ich warte auf Korrekturen oder Freigabe. Ich habe diesmal nicht mit Martin Fisher, sondern mit Jeremy Barlow zusammen gearbeitet.
Weiterhin habe ich kurzfristig mit Christopher Tauber von Zwerchfell vereinbart, doch noch zum „Weekend Of Hell“ nach Oberhausen zu kommen. Da habe ich dieses Wochenende auch einiges vorbereitet, und wenn drucktechnisch alles hinhaut, präsentieren wir dort unsere Webcomic-Serie „Survivor Girl“ als Buch.
Davor habe ich für SNAKESKIN das neue Album „Tunes for my Santiméa“ layoutet. SNAKESKIN ist das elektronische Soloprojekt von Tilo Wolff (Lacrimosa).
Davor habe ich das Album „Midgard“ für FAUN gestaltet. Das war recht sportlich, sehr enge Deadline, ein paar Nachtschichten... und ich Spezialist mach dann auch noch so Sachen wie einen eigenen Schriftfont zu entwerfen... ich muss verrückt sein. Aber es macht Spaß mit den Faunen, eine sehr sympathische Truppe. Und es ist schön geworden.

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Emu: Gibt es Bands oder Künstler für die du gern mal ein Artwork entwerfen würdest, sofern noch nicht geschehen? Wenn ja, warum?

Du meinst, so als Fan? Ich weiß es gar nicht so genau. Ich bin mittlerweile eigentlich eher auf eine angenehme und dauerhafte Zusammenarbeit aus. Ich hatte eine Menge Spaß und tolle Kooperationen mit Bands, deren Musik ich zunächst mal gar nicht auf dem Schirm hatte.
Ich bin außerdem ganz glücklich mit den Comics, die ich gerade so mache, und ich hoffe, dass ich das möglichst lange fortführen und weiter ausbauen kann.
Obwohl. Hm… warte… ich habe vor etwa 11 Jahren mal ein Artwork für Charlie Clouser (u.a. Keyboards bei den Nine Inch Nails, Anm. Emu) gestaltet. Gott, ist das schon wieder so lange her… das war damals die deutsche Lizenz für den „SAW II“ Soundtrack. Ein paar Jahre später habe ich Charlie tatsächlich mal besucht und ich muss sagen, das war ein irres und fast surreales Erlebnis. Abgesehen davon, dass ich es damals kaum fassen konnte, dass mir als glühender NIN-Fan Charlie Clouser gegenüber sitzt, war es ein unglaublich lustiger Abend in Los Angeles. Ich denke heute noch oft und gerne daran. Also wenn Charlie mal wegen Artwork anrufen würde, ich glaube, da wäre ich sofort auf der Matte.

Emu: Welchen Stellenwert hat das Medium Comic in eurem Leben und wie nehmt ihr als Künstler die Entwicklung der Szene in den letzten Jahren wahr?

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Cover der „Malcolm Max“ Gesamtausgabe (Copyright: Splitter Verlag)

Ingo: Das Medium Comic begleitet mich eigentlich schon mein ganzes Leben. Ich habe mit „Asterix“ auf dem Schoß meines Vaters das Lesen gelernt, noch vor der Grundschule. Ich habe die „Lustigen Taschenbücher“ verschlungen, das „Mad-Magazin“ und verschiedene Superhelden-Serien gelesen. Ein damaliger Schulfreund, mein bester Kumpel, mit dem ich damals rumhing, hat mir die „Schwermetall“- und „U-Comix“-Sammlung seines älteren Bruders gezeigt. Dafür schulde ich ihm eigentlich unendlich Dank, denn ich denke, das hat bei mir endgültig den Schalter umgelegt. Leider haben wir uns seit 30 Jahren komplett aus den Augen verloren.
Meine Eltern fanden manche Comics nicht so gut, weil grade bei „Schwermetall“ auch schon mal schräges Zeug dabei war. Außerdem war damals die Ansicht, Comics würden die Phantasie und Vorstellungskraft verkümmern lassen, noch ziemlich weit verbreitet, wirklich. Sie haben mich aber machen lassen, weil sie wohl gemerkt haben, dass mir etwas daran lag. Die Arbeiten von Moebius, Bilal, Corben, Caza, Bouq, Manara, Serpieri, ich glaube, das hat in mir die Idee geweckt, eines Tages selbst Comics zu zeichnen.
Ich habe schon als Knirps wahnsinnig viel gezeichnet, auf alles, was ich in die Finger bekam, aber es war mir einfach nicht genug, eine Figur nur einmal zu zeichnen. Ich wollte sie auf dem Papier lebendig werden und Abenteuer erleben lassen.
Aber es kam anders, ich bin erst einmal Cartoonist und dann Illustrator geworden und habe damit mein Geld verdient.
Also bin ich ein Späteinsteiger... ich bin jetzt seit vielleicht 8 Jahren so richtig als Comiczeichner dabei und ich bin schon 47. Ob ich die Szene so richtig beurteilen kann, ist so ne Frage... aber ich denke, da tut sich in den letzten Jahren ne Menge, auch durch die wachsende Convention-Kultur in Deutschland, durch kleine und größere Comic-Festivals, durch die Verknüpfung mit der Kunstszene, zum Beispiel in Berlin, aber auch mit Entertainment, Film, mit Spielen, mit Cosplay, LARP und allem, was dazugehört. Ist im Moment alles vielleicht noch etwas chaotisch, aber ich glaube, das pegelt sich irgendwann ein. Sicher ist nicht alles Gold und preisverdächtig, was da so passiert, aber es ist total viel Bewegung drin, und das ist gut. Deutschland hat was aufzuholen im internationalen Vergleich.ô

Peter: Ich hatte als Kind das große Glück, dass Comics bei mir zu Hause nicht als Teufelswerk verdammt wurden, wie das damals bei Pädagogen und einem Großteil der Öffentlichkeit üblich war. Deswegen gehörten Comics bei mir von klein auf dazu. Als ich noch nicht lesen konnte, ließ ich mir die Geschichten immer und immer wieder vorlesen. Über „Micky Maus“ ging es zu „Fix und Foxi“, „Prinz Eisenherz“, „Sigurd“, „Tarzan“, „Bessy“. Richtig interessant wurde es, als „Lupo“ im Kauka Verlag erschien, denn in dem Heft wurden all die genialen französisch/belgischen Serien publiziert, die mich ungemein geprägt haben.

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„Die Spinne“ #01 von Hit Comics, 1966 (Copyright: BSV/Williams)

Als nächstes erweiterte „Superman“ von Ehapa mein Comicspektrum. Und dann erschien Mitte der Sechziger erstmals in Deutschland eine Serie, die meinem Leben einen Wendepunkt gab: „Spider-Man“ unter dem Label „Hit Comics“. Nachdem ich die ersten beiden „Spider-Man“-Hefte eine gefühlte Million mal gelesen hatte, stand für mich fest: Ich werde Comiczeichner. Was in den Neunzehnhundertsechsziger Jahren insofern utopisch war, weil es in Deutschland weder diese Berufssparte, noch eine Möglichkeit gab, damit einen roten Heller zu verdienen. Aber solche Nebensächlichkeiten brachten mich damals nicht von meinem Plan ab. Zum Comiczeichner hat es letztendlich nicht gereicht, aber seine Brötchen als Comic-Autor zu verdienen ist auch nicht so übel.
Was die deutsche Comicszene angeht, so hinkt die im internationalen Vergleich nicht nur ein bisschen hinterher, sondern ist ziemlich abgeschlagen. Das liegt nicht an mangelnden deutschen Talenten. Es gibt in Deutschland viele gute Illustratoren, von denen inzwischen auch einige als Comiczeichner international arbeiten. Vergleicht man jedoch deren Zahl mit der von professionellen Zeichnern in Italien, Spanien, Argentinien usw., dann sind die deutschen Künstler eine verschwindend kleine Minderheit. Hauptproblem ist dabei, dass man in Deutschland verhungern würde, müsste man allein vom Comics zeichnen leben. Zugegeben, in den vergangenen Jahren hat sich da einiges gebessert.
Zum einen gibt es die erwähnten international etablierten deutschen Comiczeichner. Und zum anderen werfen einen die Verlage in Deutschland nicht mehr so wie früher gleich aus der Redaktion, wenn man mit einem eigenen Comic-Projekt vorstellig wird. Vor ein paar Jahren schienen so genannte „Graphic Novels“ ein viel versprechender Weg aus dem Dilemma zu sein. Ich fürchte jedoch, da dürfte inzwischen sowohl bei einigen Verlagen als auch Künstlern eine gewisse Ernüchterung eingetreten sein, was die darin gesetzten Erwartungen betrifft. Trotzdem, solange wir in Deutschland so phantastische Talente mit einem künstlerischen Anspruch haben wie Ingo Römling, Marie Sann, Che Rossié, Nic Klein, Felix Mertikat, Sascha Wüstefeld, Uli Oesterle oder Thomas von Kummant, um nur einige zu nennen, besteht bei mir weiter die Hoffnung, dass die Entwicklung der deutschen Comickultur auf dem richtigen Weg ist.

Peter und Ingo beim Signieren auf dem Comic Salon in Erlangen, 2014 (Copyright: Steffen Liebschner / comic-community.net)
Peter und Ingo beim Signieren auf dem Comic Salon in Erlangen, 2014 (Copyright: Steffen Liebschner / comic-community.net)

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