Resümee 2016: Meine Top-5-Comic-Empfehlungen des Jahres

Resümee 2016: Meine Top-5-Comic-Empfehlungen des Jahres

Resümee 2016: Meine Top-5-Comic-Empfehlungen des Jahres

Das Jahr neigt sich dem Ende und auch ich mache mir so langsam Gedanken, was ich aus den vergangenen 12 Monaten mitnehmen werde. Neben allen Katastrophen und Horrormeldungen, für die dieses Jahr sicherlich den meisten in Erinnerung bleiben wird, war es für uns Comic-Enthusiasten doch eine recht spektakuläre Zeit. Viele tolle Comics sind erschienen und die Top-Listen der besten Veröffentlichungen verteilen sich gerade auf allen Seiten.

Alle vier Wochen küre ich hier meine monatliche Comic-Empfehlung, bei denen ihr - meiner Meinung nach - bedenkenlos zuschlagen könntet, doch sind das bei Weitem nicht alle Perlen, die im undurchsichtigen Wust der Publikationen schlummern. Wie oft unterliegen wir dem Tunnelblick unserer eigenen Lesegewohnheiten und bekommen nur selten mit, was am Rand doch für tolle Dinge geschehen? Daher gibt es an dieser Stelle meine persönlichen Top-5-Comic-Überraschungen des Jahres 2016, die es wohl auch nur zufällig auf meinen persönlichen Lesestapel geschafft haben, mir jedoch zeigten, dass es bei den Comics ist wie im Straßenverkehr: immer mal nach links und rechts gucken.
Wenn ihr also mal wieder das Bedürfnis habt, über euren persönlichen Tellerrand hinauszuschauen, hoffe ich, werden euch diese 5 Geschichten die Überraschung bieten, die sie mir geboten haben.

Platz 5: „Nimona“ von Noelle Stevenson (Splitter Verlag)

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(Picture Copyright: Splitter Verlag)

Noelle Stevenson hat mit ihrer Geschichte zur kleinen Nimona einen echten Erfolgsstart hingelegt. Ursprünglich als Web-Comic erschienen, geistert die Story der skurrilen Heldin und ihres Superschurkenfreundes Blackheart gerade durch alle Comicforen, wobei sich die Lobeshymnen nahezu überschlagen. An mir ging die Veröffentlichung erst gänzlich vorbei, bis mir eine „Na, schau doch mal rein!-Empfehlung“ einer netten Verlagsmitarbeiterin eine unverhoffte Überraschung ins Haus flattern ließ. Der Splitter Verlag feierte mit der Ausgabe gar das Debüt des neuen Unterlabels „Minisplitt“ und liefert zudem eine beachtlich schicke, neue Publikationsweise als für Splitter eher untypisches Paperback ab.
Stevenson schreibt hier pfiffige Charaktere, mit witzigen Dialogen, in einer spannenden Geschichte, inszeniert in dynamisch-eigenwilligen Bildern. „Nimona“ überlässt nichts dem Zufall und unterhält von der ersten bis zur letzten Seite. Die vollständige Rezension zum Band gibt’s hier.

Platz 4: „Ghost Realm“ von Timo Wuerz und Robert Franke (Popcom)

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(Picture Copyright: Popcom)

In der deutschen Comic-Szene kommt man einem Mann wahrlich nicht vorbei: Timo Wuerz. Der Tausendsassa begann seine professionelle Karriere als Zeichner bereits in einem Alter bevor Leute wie wir gerade mal ihr Abitur in der Tasche hatten. Über die Jahre hinweg hat er sich zu einer punkigen Ikone der Szene hochgearbeitet und wer ihm einmal beim Sketchen auf einer Messe begewohnt hat, wird wissen, was ich meine. Nachdem er für einige Jahre weit über die Grenzen des Comics hinaus gearbeitet hatte, kehrte er im Frühjahr dieses Jahres zusammen mit Autor Robert Franke wieder zum Medium zurück und hatte seinen ersten neuen Comic seit Jahren mit im Gepäck: „Ghost Realm“.
Mit ihrer mehr oder weniger gewollten Anlehnung an John Carpenter erzählen sie von Elvira und Sam, welche die scheinbaren Grenzen unserer irdischen Realität überschreiten und in den Strudel eines interdimensionalen Abenteuers geraten. Mit einem liebevoll gestalteten Fantasy-Plot, skurrilen Gimmick-Charakteren (Voodoo-Puppe Papaya) und einer atemberaubenden Eye-Catcher-Optik kann man gar nicht anders, als sich bereits auf den in der Mache befindlichen zweiten Band zu freuen. Die vollständige Rezension zur ersten Ausgabe gibt’s hier.

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Platz 3: „Rachel Rising“ von Terry Moore (Schreiber & Leser)

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(Picture Copyright: Schreiber & Leser)

Als bekennender Liebhaber von Geschichten des Übernatürlichen, habe ich im Medium Comic natürlich eine sehr füllige Auswahl an Titeln, die meinen Drang nach Horror und Schrecken stillen. Ob nun vom Mythologie-Overkill des Mignolaverse, über lovecraftschen Horror à la „Providence“, bis hin zum schlichten aber effektiven Zombie-Terror von „The Walking Dead“... wenn es abnormal wird, wird es für mich interessant. Mein guter Freund Mattes von deinantiheld.de legte mir daher vor einiger Zeit Terry Moores Ausnahme-Saga „Rachel Rising“ ans Herz. Mit dem siebten und letzten Band der Saga vollendete der Verlag Schreiber & Leser in diesem Jahr eine der wohl stimmigsten Horror-Comic-Reihen, die bisher zu uns über den großen Teich kamen.
Terry Moore erzählt von der jungen Rachel, die auf tragische Weise zu Tode kam, jedoch keine Ruhe findet und, wie andere Charaktere des Comics ebenfalls, hinter die Kulissen eines dunklen Geheimnisses ihrer Heimatstadt Manson blickt. Eine komplexe und filmreife Handlung, durchgehend tolle Schwarz-Weiß-Zeichnungen und ein überraschend einnehmender Lesefluss sind der Grund dafür, dass dieser Leckerbissen der unabhängigen amerikanischen Comic-Kunst in jedem Regal stehen sollte. Eine Rezension zu den ersten beiden Bänden gibt es hier.

Platz 2: „Rover Red Charlie“ von Garth Ennis (Panini Comics)

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(Picture Copyright: Panini Comics)

Was bei „Rover Red Charlie“ auf den ersten Blick nach einer netten Tiergeschichte aussieht, wird spätestens relativiert, wenn man beim Blick über das Cover am Namen des Autors hängen bleibt: Garth Ennis. Dass der „Ennisher“ nicht gerade für familienfreundliche Romantik bekannt ist, dürften Preacher- oder auch Crossed-Leser längst verinnerlicht haben. Sein Ausflug in diese tierische Apokalypse erschien in den Staaten zuerst über den Verlag Avatar Press und wurde in diesem Jahr von Panini Comics nach Deutschland geholt.
Ennis beschreibt in seiner abgeschlossenen Geschichte den Untergang der menschlichen Gesellschaft aus der Sicht dreier Hunde: Rover, Red und Charlie. Menschen springen von Häusern oder stecken sich selbst in Brand. Der Wahnsinn ist für die artikulationsfreudigen Vierbeiner genausowenig nachzuvollziehen, wie für die Leser des Buches, weshalb sich alle zusammen auf eine abenteuerliche Reise begeben. Mit sehr durchdachten Charakteren und einem spannenden Plot erzählt uns Garth Ennis in seiner Parabel eine Geschichte über Freundschaft und das Überleben. Wunderbar illustriert von Michael DiPascale und eine absolute Pflichtlektüre aus dem Hause Panini Comics. Die vollständige Besprechung zum Comic gibt es hier.

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Platz 1: „Die Verwerfung – eine Geschichte aus dem Dreißigjährigen Krieg“ von Lukas Kummer (Zwerchfell)

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(Picture Copyright: Zwerchfell Verlag)

Da ist sie also... die für mich einschneidendste Comic-Erfahrung des Jahres 2016. Dass diese dann auch noch ein Debüt-Comic aus Deutschland sein sollte, hätte ich am Anfang des Jahres wohl kaum erwartet.
Lukas KummersDie Verwerfung – eine Geschichte aus dem Dreißigjährigen Krieg“ erschien eigentlich bereits im Dezember 2015 im Zwerchfell Verlag, landete jedoch erst im März dieses Jahres auf meinem Schreibtisch, nachdem ich einen kurzen Bericht dazu im Netz gelesen hatte. „Verstörend“ und „erschütternd authentisch“ hatte es im ungefähren Wortlaut dort geheißen, was letztendlich meine Aufmerksamkeit erregen sollte. Welch blumige Untertreibung.
Der junge Autor und Zeichner schildert in seinem ersten Comic in einfachen, aber unfassbar effektiven Bildern die Geschichte eines kindlichen Geschwisterpaares, welches durch die unmenschliche Ödnis des Dreißigjährigen Krieges zu wandern hat. Ein Kampf ums Überleben, in einer Welt, die kaum mehr Gesetze noch Menschlichkeit kennt... nur Kälte, Hunger und Tod. Neben den tollen Graustufen-Zeichnungen weiß vor allem die punktgenaue Sprache sowie die Bitterkeit der Handlung selbst zu überzeugen.
Dass das Grauen einer postapokalyptischen Endzeit nicht zwingend Fiktion sein muss, sondern historisch gesehen ein über Jahrhunderte immer wiederkehrendes Martyrium der gesellschaftlichen Entwicklung, zeigte in diesem Jahr kein Buch deutlicher. „Die Verwerfung – eine Geschichte aus dem Dreißigjährigen Krieg“ war somit für mich nicht nur die intensivste Comic-Literatur des Jahres, sondern auch mit Abstand eine der besten. Die ursprüngliche Rezension zum Buch gibt es hier.

(Das Copyright des Bildmaterials liegt bei den jeweiligen Verlagen / Header Picture Copyright: DC Comics)


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[…] „Nimona“ erschien im vergangen Jahr auch in deutscher Sprache beim Splitter Verlag. Der abgedrehte Mittelalter-Sci-Fi-Genre-Mix mit der frechen Protagonisten zählte für auch mich zu den überraschendsten Erfolgen des vergangenen Jahres. […]

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Reiner
Gast
Reiner

Unfassbar. Ich kenne nichts davon! 😀

Emu
Gast

Dann wäre dies der Moment daran was zu ändern 🙂

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